Kopfbild Bad Vilbel Winter
26.02.2021 erstellt von: Jochen Waiblinger


Fahrradstadt Bad Vilbel? Anspruchsvoll, aber machbar

Rathausbrücke Bad Vilbel

Mitte Januar dieses Jahres rieben sich viele Aktive des ADFC Bad Vilbel erstaunt die Augen: Die lokale CDU, maßgebliche Regierungspartei der Stadt, bekundete im Rahmen der beabsichtigten Fortschreibung ihres Mobilitätskonzepts ihren Willen, Bad Vilbel zur Fahrradstadt umzugestalten.


Gehen wir doch mal in uns und ein paar Jahre zurück. Am 6. Februar 2018 beschloss die Versammlung der Stadtverordneten Bad Vilbels erstmals ein Radverkehrskonzept. Dieses Konzept umfasst neben einigen guten ersten Ansätzen auch sehr viele Punkte, die das Ergebnis einer Aufnahme des bereits Bestehenden sind. An mancher Stelle auch hätte mehr perspektivischer Gestaltungswille erkennbar sein können.

Es folgten in den zurückliegenden drei Jahren viele Hinweise vonseiten des ADFC Bad Vilbel sowie Gespräche und Aktionen seiner Mitglieder mit Vertretern der Stadt, um die Bedingungen für Fahrradmobilität zu verbessern. An dieser Stelle sei ausdrücklich angemerkt, dass es mit dem Verkehrsdezernenten Sebastian Wysocki und dem Leiter der Straßenverkehrsbehörde Timo Jehner in der Stadtverwaltung zwei kompetente Ansprechpartner an wichtiger Stelle gibt, die einem konstruktiven Dialog mit dem ADFC gegenüber durchaus positiv eingestellt sind.

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Frankfurter Straße stadtauswärts, Einmündung Goethestraße
Fotos: Jochen Waiblinger

Viele unserer konkreten Vorschläge bedurften allerdings einer längeren Reifephase. Dennoch wurde in den zurückliegenden drei Jahren Vieles auf den Weg gebracht oder umgesetzt, zum Beispiel die farbliche Hervorhebung von Fahrradwegen oder -furten oder die Öffnung einzelner Einbahnstraßen für das Radfahren entgegen der für Kraftfahrzeuge vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Aber auch ursprünglich als Unmöglichkeiten postulierte Erleichterungen für den Radverkehr gehören zu den Fortschritten. Genannt seien hier etwa die Aufstockung des Geländers einer Brücke über die Nidda in Dortelweil und die damit einhergehende Beseitigung des Verkehrszeichens 1012-32 („Radfahrer absteigen“) sowie die Entfernung einer vormals als unbedingt notwendig bezeichneten Umlaufsperre vor dem Zebrastreifen an der Rathausbrücke in der Innenstadt. Nicht zuletzt wurde im Vorfeld des 2020 geplanten und mittlerweile auf 2025 verschobenen Hessentags in Bad Vilbel so einiges Weitere getan. So wurden zum Beispiel Passagen des Rad-/Fußwegs beidseits der Nidda zwischen der Bad Vilbeler Kernstadt und dem Ortsteil Dortelweil asphaltiert und im gesamten Stadtgebiet zusätzliche Wegweiser für den Radverkehr montiert.


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Das „Drängelgitter“ auf dem Nidda-Uferweg an der Querung der Rathausbrücke – jetzt Vergangenheit

Bei einigen Projekten allerdings könnte die Kommunikation zwischen der Stadt und den Fachleuten des Radverkehrs ausgeprägter sein. Auch dazu ein Beispiel: Der ADFC begrüßt die Öffnung der Einbahnstraßen entgegen der für Kfz vorgeschriebenen Fahrtrichtung als hilfreich und wichtig. Gleichwohl wäre es in einigen Fällen nicht nur wünschenswert, sondern auch erforderlich, diese Maßnahme zugleich auch für den Kfz-Verkehr zweifelsfrei sichtbar zu machen.

Der gängige und vorgeschriebene Hinweis in Form des kleinen Zusatzschilds 1022-10 („Radfahrer frei“) wird oftmals übersehen – nicht zuletzt, weil er häufig so angebracht ist, dass er lediglich von der der Fahrtrichtung gegenüberliegenden Seite aus erkennbar ist. Hier ist die Aufbringung weißer Fahrradpiktogramme auf der aus Sicht des Kfz-Verkehrs rechten (zuweilen durch parkende Autos verengten) Straßenseite ein absolut notwendiges Mittel, um auf etwaigen radelnden Gegenverkehr aufmerksam zu machen. (Die beiden Fotos sprechen für sich.) Auch machen solche Piktogramme deutlich, dass die Fahrt in entgegengesetzter Richtung für Radelnde hier erlaubt ist – im Gegensatz zu häufig lautstark geäußerten Meinungen Autofahrender. Bei der Aufbringung der Piktogramme mag die Verkehrsbehörde auf die Mitarbeit des städtischen Fachdiensts Infrastruktur, Kanal und Straße angewiesen sein. Wenn jedoch der Verkehrsdezernent eine gewisse Dringlichkeit äußert, hat dies bestimmt eine beschleunigende Wirkung.

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Niddabrücke in Dortelweil: Das erhöhte Gelände schafft mehr Sicherheit

Auch bei größeren Projekten wäre es sicherlich hilfreich, zusätzliches Fachwissen in Sachen Alltagsradverkehr einzuholen. So hätten sich vermutlich einige sicherheitsrelevante Probleme auf dem schönen, neu angelegten Rad-/Fußweg am linksseitigen Nidda-Ufer im Bereich der Kernstadt im Vorfeld klären und vermeiden lassen. Wie diese Probleme in Gesprächen mit der Stadt nun nachträglich einer Lösung zugeführt werden können, wird in einer der nächsten Ausgaben von FRANKFURT aktuell Thema sein

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Einbahnstraße Gronauer Weg

Nun fordert auch die CDU einen Radschnellweg nach Frankfurt. Gut so, entspricht dies doch einer Forderung, die der ADFC Bad Vilbel wiederholt geäußert hat – zum Beispiel im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zur Vorstellung und Bewerbung des Radschnellwegs Wetterau-Frankfurt (FRM 6), die er gemeinsam mit dem ADFC Frankfurt und dem ADFC Hessen im Herbst 2019 in Bad Vilbel durchgeführt hat. Bei dieser Veranstaltung vertreten waren Abgesandte von Hessen Mobil, des Umlandverbands, der Bahn und der anliegenden Gemeinden (Bad Vilbel leider nicht eingeschlossen). Die Machbarkeitsstudie, die einer Entscheidung über den Bau dieses Radschnellwegs vorauszugehen hat, soll noch im ersten Quartal 2021 in Auftrag gegeben werden.

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Auch die Alte Straße ist für Radelnde in beiden Richtungen befahrbar


Wir wollen jedoch nicht die Frage aus der Werbung eines Schweizer Kräuterbonbonherstellers wiederholen. (Wer hat<39>s erfunden?). Wiederholen möchte ich allerdings, dass es notwendig ist, dass die jeweiligen politischen Entscheidungsträger der „Anrainerstädte“ des FRM6 sich die Radfahrkompetenz der lokalen Sektionen des ADFC in die Planungsboote holen. Dies gilt auch für Bad Vilbel. Denn sonst steht zu befürchten, dass bei der Planung von Fahrradstadt und Radschnellweg die Belange des motorisierten (Individual-)Verkehrs über Gebühr und Probleme des alltäglichen Fahrradverkehrs zu wenig berücksichtigt werden.


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