Kopfbild Bad Vilbel Winter
24.02.2015 erstellt von: Dr. Joachim Brendel


ADFC-Fahrradklima-Test 2014

Bad Vilbel erneut mit schlechten Noten

Nidda-Radweg im Zentrum Bad Vilbels: sehr breite Spur, aber kaum Platz für Fußgänger<p>Foto: Joachim Brendel

Bei den am 19. Februar in Berlin vorgestellten Ergebnissen des Fahrradklima-Tests des ADFC landete Bad Vilbel mit einer Gesamtwertung von 4,0 (Vergleichsjahr: 4,15) erneut auf den hinteren Rängen der fahrradfreundlichsten Städte. 119 Bad Vilbeler hatten an der Befragung teilgenommen.


Unzufrieden sind Bad Vilbels Radfahrerinnen und Radfahrer vor allem über die fehlende Öffnung vieler Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung sowie die unzureichende Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen. Lichtblicke gab es bei der Frage nach Fahrradförderung in der jüngeren Zeit. Immerhin 25 Teilnehmer erkannten durch die Vergabe der Noten 1 oder 2 Verbesserungen an. Es bleibt dennoch viel zu tun.

Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt – deshalb ist es bedenklich, dass sich die Bad Vilbeler auf dem Rad weiterhin ziemlich unwohl fühlen. Der Fahrradklima-Test zeigt für andere Städte, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt.

Nidda-Uferweg: Weder Radfahrer noch Fußgänger glücklich

Das Bad Vilbeler Fahrradklima ist leider im wahrsten Sinne des Wortes durch Stress geprägt. Konflikte sowohl mit Autofahrern als auch mit Fußgängern spielten in den Kommentaren der Umfrageteilnehmer immer wieder eine Rolle. Die zunehmende Freigabe von Fahrbahnen für den Radverkehr wird grundsätzlich positiv gesehen. Die gleichzeitige Freigabe von Bürgersteigen lädt allerdings viele Kfz-Fahrer weiterhin dazu ein, die Radler von der Fahrbahn wegzudrängen. Auch ermuntert sie so manche Radfahrende, den Bordstein auch dort zu nutzen, wo es nicht vorgesehen ist. Auch neu angelegte Wege werden bereits kritisiert. Der Nidda-Uferweg auf Höhe des Hallenschwimmbads weist eine sehr breite Radspur auf. Diese wird jedoch zwangsläufig auch von Fußgängern mitgenutzt, weil der für die Fußgänger direkt daneben vorgesehene Streifen mit 80 cm Breite extrem schmal bemessen ist. Der Nidda-Uferweg ist innerstädtisch zu vielen Zeiten derart überfüllt, dass weder Radfahrer noch Fußgänger glücklich sind. Außerhalb der Kernstadt ist der Weg in einem erbärmlichen Zustand, weil er im Hinblick auf eine geplante, aber bisher immer wieder verschobene Totalsanierung seit Jahren nicht mehr gepflegt wird. Das Teilstück zwischen Dortelweil und der Bad Vilbeler Burg sei, so bekundeten Umfrageteilnehmer, sogar das schlechteste auf dem gesamten Nidda-Weg zwischen Quelle und Mündung.

Zwar wurde die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit der Note von 2,7, also eher positiv bewertet. Gleichwohl dominieren bei den Freitextantworten auf die Umfrage mit insgesamt zwölf Nennungen die Forderungen nach einer Freigabe der Frankfurter Straße für Radfahrer in Gegenrichtung stärker als beim letzten Klimatest 2012. Demgegenüber stehen die Chancen für ein Umdenken schlechter denn je. Wurde doch der Autoverkehr durch den Stadtkern durch die große Tiefgarage mit direkter Ein- und Ausfahrt auf der innerstädtischen Frankfurter Straße noch verstärkt.

Schon mit kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, zum Beispiel durch für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen und klarere Markierungen. Wenn Bad Vilbel will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und damit Gutes für ihre Gesundheit und die Stadt tun, dann muss endlich mehr gehandelt werden.

Karben im Mittelfeld

Bad Vilbels Nachbarstadt Karben landete erneut vor der Quellenstadt und rangiert mit einer Gesamtwertung von 3,5 (Vergleichsjahr 2012: 3,7) im guten Mittelfeld (Platz 104 von 292 bundesdeutschen Städten der Größenklasse bis 50.000 Einwohner). Der Schwerpunkt der Kritik bezieht sich dort vor allem auf den Mangel an vernünftig ausgebauten Wegen zwischen den Ortsteilen sowie zwischen Karben und Bad Vilbel.

Über 100.000 Teilnehmer bundesweit

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit. Er wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans der Bundesregierung vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Im Vergleich mit dem letzten Test im Jahr 2012 haben 25 Prozent mehr Menschen an der Umfrage teilgenommen.


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