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28.04.2021 erstellt von: Dr. Ute Gräber-Seißinger


Offener Brief zur Sperrung der Wiesengasse

Die Wiesengasse im April 2021<p>Foto: Jochen Waiblinger

Die Sperrung der Wiesengasse, Teil einer der wichtigsten Radverkehrsadern Bad Vilbels, wirft große Probleme auf. Wir haben in einem Offenen Brief, den wir am 26. April 2021 an den Bürgermeister, den Ersten Stadtrat, den Magistrat, die Vorsitzenden der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenden Fraktionen und an die Straßenverkehrsbehörde gerichtet haben, um schnelle Abhilfe gebeten.


Sehr geehrte Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung,
sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher Junker,
sehr geehrte Vorsitzende der Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Stöhr,
sehr geehrter Herr Stadtrat Wysocki,
sehr geehrte Mitglieder des Magistrats,
sehr geehrter Herr Timo Jehner,

mit Sorge betrachten wir die Veränderungen der Verkehrsführung im Zuge der vor einigen Tagen vorgenommenen Sperrung der Wiesengasse und deren Folgen für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, die Wege im öfntlichen Verkehrsraum zurücklegen.

Die Sperrung der Wiesengasse betrifft eine der wichtigsten Radverkehrsadern in Bad Vilbel. Umso erstaunlicher ist es, dass Angaben zur Umleitung für den Radverkehr lediglich in der Website der Stadt veröffentlicht wurden und nicht, wie sonst bei Schulwegen üblich, rechtzeitig auch im Bad Vilbeler Anzeiger. Auch sollte angesichts einer solchen großräumigen Umleitung eine für alle Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer klar ersichtliche Umleitungsbeschilderung vorhanden sein. Das ist leider nicht der Fall.

Darüber hinaus enthält die Radwege-Empfehlung der Stadt Bad Vilbel einen gravierenden Fehler. Die Radverkehrsführung zwischen dem Schulzentrum und der Stadtmitte an den beiden Kreisverkehrsanlagen rechts und links der Bahngleise steht nicht im Einklang mit den Bestimmungen der StVO – weshalb das bei Radelnden zu Recht Kopfschütteln hervorrufende Schild „Radfahrer absteigen“ aufgestellt werden musste.

Die Gesamtsituation nach der Sperrung der Wiesengasse vermittelt nicht den Eindruck, als sei ihr eine sorgfältige fachkundige Planung vorausgegangen, wie sie in einschlägigen Regelwerken gefordert wird. Sie verleitet Radelnde dazu, für sie gefährliche Wege zu nutzen. Überdies birgt sie das Risiko, dass Verbote wie beispielsweise das Verbot der Querung einer durchgezogenen Linie missachtet werden. Das mit einer solchen Konstellation einhergehende Potenzial von Konflikten bis hin zu Unfällen liegt auf der Hand. Hinzu kommt: Viele Bürgerinnen und Bürger, die generell stärker dazu neigen, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu wählen, sehen in der aktuellen Situation aus einem absolut verständlichen Sicherheitsbedürfnis heraus davon ab; stattdessen benutzen sie den Pkw – was die ohnehin bereits angespannte Verkehrssituation in unserer Stadt noch verschärft.

Im Sinne einer klar geregelten und sicheren Verkehrsführung ist es zwingend notwendig, die geschilderten Missstände schnellstmöglich zu beseitigen. Wir halten es für unumgänglich, die Maßnahmen zur Verkehrsumleitung, die im Kontext der derzeitigen Bauarbeiten ergriffen wurden, zu überprüfen und ohne Denkverbote Korrekturen einzuleiten.

Wir erwarten von den Verantwortlichen der Stadt Bad Vilbel

  • die Überarbeitung der Radwege-Empfehlung der Stadt,
  • eine adäquate Beschilderung der sich daraus ergebenden Umleitungsstrecken,
  • eine regelmäßige Überprüfung der Verkehrswege und ihrer Beschilderung.
Allein ein solches Vorgehen ist geeignet, die Verkehrssicherheit während der Bauarbeiten nach bestem Wissen und Gewissen zu gewährleisten. Uns ist bewusst, dass dies mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Insofern ist es unseres Erachtens notwendig, zumindest im Kontext von Bau¬maßnahmen, welche größere Umleitungen des lokalen und des überörtlichen Radverkehrs erfordern, im Vorfeld der Einrichtung der Baustellen zusätzliche Expertise einzuholen.

Unser Appell an Sie: Bedenken Sie, dass die Wiesengasse Bestandteil der städtischen Schul-wege ist. Die Bürgerinnen und Bürger Bad Vilbels haben unseres Erachtens einen Anspruch auf sichere Radwege für Menschen von acht bis 80 Jahren – auch und gerade in Zeiten groß angelegter Bauprojekte im öffentlichen Verkehrsraum.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ute Gräber-Seißinger, 1. Vorsitzende
Jochen Waiblinger, Verkehrspolitischer Sprecher

Hinweis: Diesen Brief haben wir auch an die Redaktionen des Bad Vilbeler Anzeigers, der Wetterauer Zeitung, der Frankfurter Neuen Presse sowie der Frankfurter Rundschau versendet.


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