Kopfbild Biwerkreisel
24.10.2017 erstellt von: Dr. Ute Gräber-Seißinger


Verkehrter Verkehr in Bad Vilbel

Perspektiv- und Strategiewechsel erforderlich

Im täglichen Feierabendverkehr kommt der Verkehrsfluss auf der Nordumgehung vollständig zum Erliegen.<p>Foto: Christian Euler

Die Verkehrslage in Bad Vilbel ist verfahren. Tagtäglich kommt es in den Hauptverkehrszeiten auf den Hauptachsen – Homburger Straße, Nordumgehung (L 3008) / Büdinger Straße sowie Kasseler und Friedberger Straße – zu Stauungen von Kraftfahrzeugen.


Geschuldet sind diese Staus überwiegend dem Kfz-Durchgangsverkehr durch Bad Vilbel.

Die Reduzierung des „verkehrten“ Verkehrs, der Mensch und Umwelt mit Lärm, Luftschadstoffen und in Staus vergeudeter Lebenszeit belastet, sollte vordringliche Aufgabe lokaler Verkehrsplanung sein. Allein, darauf deutet bislang wenig hin, ganz im Gegenteil.

Unserer Ansicht nach muss die Stadt Bad Vilbel den Schwerpunkt ihrer konzeptionellen Überlegungen zur Verkehrssteuerung deutlich auf die Stärkung alternativer Verkehrsmittel wie das Fahrrad und den öffentlichen Personennahverkehr verlagern. Dazu sollte sie zunächst einmal den Realitäten des Verkehrsaufkommens in ihrem unmittelbaren Einflussbereich ins Auge sehen. Das hieße, eine solide Datenbasis durch aktuelle Verkehrsmessungen zu schaffen, die als Ausgangspunkt für Prognosen unter alternativen infrastrukturellen Bedingungen dienen würde.

Der ADFC Bad Vilbel zeigt in seiner aktuellen 31-seitigen Stellungnahme unter anderem auf, dass die in den städtischen Gremien bekannten Prognosen in den Lärm- und Verkehrsgutachten zum Bebauungsplangebiet Quellenpark auf schwachen Füßen stehen. Die Datenbasis in den Gutachten ist veraltet, und die Prognosen selbst, soweit dort überhaupt konkrete Zahlen genannt werden, setzen die bis 2025 zu erwartende Kfz-Verkehrsstärke dramatisch zu niedrig an. Eine Ausnahme bildet das Verkehrsgutachten des Planungsbüros von Mörner + Jünger, das aber im Unterschied zu anderen Gutachten nicht über die Website der Stadt Bad Vilbel zugänglich ist. Es drängt sich deshalb der Verdacht auf, dass die städtischen Gremien das sich verstärkende Verkehrsproblem bislang nur unzureichend erfasst haben.

Falsche Prognosen verleiten zu falschen, sogar naiven Zielvorstellungen. Das ist möglicherweise ein Grund dafür, dass in Bad Vilbel Ziele wie die Förderung des alltäglichen Fußgänger- und Radverkehrs im Nahbereich systematisch zu wenig Raum finden. Das hat sich zuletzt am Verzicht der Stadt auf eine Radverkehrsanlage auf der derzeit im Umbau befindlichen Homburger Straße (4. Bauabschnitt) zugunsten einer Kfz-Mittelspur gezeigt.

Der verkehrsplanerische Ansatz der Stadtverwaltung, der sich auf die Arbeiten des Ingenieurbüros IMB-Plan bzw. von Prof. Rüdiger Storost stützt und den Ausbau des motorisierten Individualverkehrs favorisiert, ist nach unserer Ansicht verfehlt. Ein Perspektiv- und Strategiewechsel ist notwendig, das heißt eine massive Förderung und der Ausbau alternativer Verkehrsträger – was für Berufstätige und andere Pendler gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) bessere Angebote schafft.

Was den lokalen und auch den regionalen nichtmotorisierten Individualverkehr anbelangt, so bietet es sich beispielsweise an, flankierend zum S-Bahn-Ausbau, möglichst vis à vis entlang der Main-Weser-Bahnstrecke nicht nur in Bad Vilbel, sondern auf der ganzen Strecke zwischen Frankfurt und Friedberg eine Raddirektverbindung zu schaffen – durchgängig, steigungsarm und kreuzungsfrei bzw. zumindest vorfahrtberechtigt.

Wir erachten eine gründliche Diskussion der Bad Vilbeler Verkehrsprobleme als unbedingt notwendig. Die Hessische Gemeindeordnung sieht die Verkehrskommission vor, ein aufgrund seiner Zusammensetzung mit Expertise ausgestattetes städtisches Beratungsgremium. Hier ist der Ort, um gemeinsam mit den Entscheidungsträgern der Stadt Bad Vilbel zukunftsfähige Lösungen und Konzepte für Bad Vilbel zu erarbeiten und so die Verkehrsentwicklung zu steuern. Leider wird diese Möglichkeit seitens des Magistrats der Stadt Bad Vilbel nicht wirksam genutzt.

Die integrale Fassung unserer Stellungnahme sowie die Mitteilung dazu, die an die Presse gegangen ist, stehen unten auf dieser Webseite als PDF-Dateien zum Download bereit.



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