Kopfbild Biwerkreisel
07.07.2019 erstellt von: Jochen Waiblinger


Hindernisse und Gefahrenpunkte für Radelnde in Bad Vilbel

Anschauungsunterricht im Live-Modus

Eine Unterrichtung der anschaulichen Art erhielten letztens einige Vertreter/innen der Bad Vilbeler Lokalpolitik. Wir hatten die Politikprominenz für den 10. Mai zu einer gemeinsamen Fahrrad-Erlebnistour zu ausgewählten örtlichen Problemzonen des Fahrradverkehrs eingeladen. Neben dem verkehrspolitisch zuständigen ersten Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) folgten weitere Vertreter der im Stadtparlament vertretenen Parteien der Einladung und traten gemeinsam mit Jochen Waiblinger vom ADFC Bad Vilbel in die Pedale.


Der von Jochen vorbereitete Parcours sah insgesamt 19 Hindernisse oder Gefahrenpunkte für den Radverkehr in Bad Vilbel vor, von denen die meisten auch tatsächlich in Augenschein genommen wurden. Sebastian Wysocki, der sich gegenüber dem ADFC zum wiederholten Mal als sehr gesprächsbereit erwies, wartete darüber hinaus mit weiteren Informationen für den Fahrradverkehr auf.

Die fünf Politiker starteten mit ihrem ADFC-Routenführer bei gutem Wetter. Da die meisten Beteiligten nicht zum ersten Mal in Sachen Fahrradpolitik zusammentrafen, konnten die kritischen Punkte direkt angesteuert werden. Zunächst ging es um farbliche Markierungen an den Vilbeler Kreiseln und im Innenstadtbereich an der Frankfurter Straße. Erfreulich war die Mitteilung, dass eine Reihe von Markierungen in leuchtendem Rot am Biwer-Kreisel sowie auf der Frankfurter Straße stadtauswärts bereits veranlasst sei. Einige dieser Markierungen sind mittlerweile in der Tat bereits aufgebracht worden. Der für Radelnde schwierige Anstieg auf der Frankfurter Straße bzw. am Schöllberg wurde so ein wenig sicherer gemacht. Weitere Markierungen auf der Frankfurter Straße wurden den Politikern vorgeschlagen, und zumindest eine Prüfung wurde auch in Aussicht gestellt.

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Markierungen am Biwer-Kreisel und am Schöllberg, Einmündung Kurt-Moosdorf-Straße – so werden Radwege besser sichtbar. Fotos: Jochen Waiblinger

Dass Umlaufgitter auf zentralen Radrouten für Vilbeler Radfahrende ein Ärgernis und für die Führung des Radverkehrs nicht mehr zeitgemäß sind, war für einige Verantwortliche ebenfalls eine wichtige Erkenntnis, die sie mitgenommen haben. Möglicherweise wird in Zukunft das Umlaufgitter an der Rathausbrücke kurz vor der Bad Vilbeler Burg komplett entfernt; zumindest eine Vergrößerung der Durchfahrtswinkel dürfte ohne großen Aufwand realisierbar sein.

Mittel- und längerfristige Planungen der Stadt für den Radverkehr beziehen sich nach Auskunft der Politiker zu einem großen Teil auf die Zeit nach dem Ausbau der S-Bahn. So soll unter anderem der Radweg auf dem Berkersheimer Weg komplett asphaltiert und durch eine Unterführung am Südbahnhof auf die andere Seite der Bahnstrecke geführt werden. Entlang der Kasseler Straße sollen die Fahrradwege verbreitert und zum Teil auch von den Fußwegen getrennt werden. Andere Verbesserungen für den Radverkehr, wie eine bessere Verbindung zwischen den Supermärkten an der Rodheimer Straße und dem Nordbahnhof, will man erst in einigen Jahren angehen.

Bei der Beschilderung von Gefahrenbereichen gingen die Auffassungen weit auseinander. So konnte kein Verständnis dafür gewonnen werden, dass an den Vilbeler Kreiseln die kleinen Zusatzzeichen für kreuzenden Radverkehr durch die einschlägigen Gefahrzeichen (rotes Dreieck mit Fahrrad) ersetzt werden sollten. Ein besonders hartnäckiger Streitpunkt ist unverändert die Beschilderung an der Büchereibrücke der Neuen Mitte. Auch hier sieht die Stadt keine Notwendigkeit, durch passende Hinweise vor dem kreuzenden Radverkehr zu warnen.

Sebastian Wysocki hatte gleich zu Beginn der Tour die politische Marschrichtung der Stadt vorgegeben: Derzeit habe die Vorbereitung des Hessentags 2020 hohe Priorität; neue Projekte darüber hinaus seien derzeit nicht möglich. Das Verkehrskonzept für den Hessentag ist indes noch in Vorbereitung. Ob ein fahrradfreundliches Bad Vilbel zum Präsentationskonzept gehört, wird sich zeigen. Vorerst müssen sich Fahrradfahrende in Bad Vilbel nicht nur wegen des derzeitigen Ausbaus der S-Bahn-Strecke auf Umwege einstellen. Nicht zuletzt wird die Fahrt auf der für den Schulweg wichtigen Strecke entlang der Nidda durch den Wegfall bzw. durch zeitweilige Teilsperrungen der Unterführungen erheblich erschwert.

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Umlaufgitter an der Rathausbrücke: hübsch, aber unpraktisch.
Fotos: Jochen Waiblinger, Ute Gräber-Seißinger


Auch wenn viele Wünsche offen blieben, so war die Tour gleichwohl ein Erfolg für die Fahrradpolitik in Bad Vilbel. Die unmittelbare Anschauung wirkt. Die beteiligten Politikvertreter gaben deutlich zu verstehen, dass sie neue Sichtweisen auf die Probleme des Radverkehrs gewonnen haben. Wie nachhaltig die Lerneffekte sein werden, bleibt abzuwarten. Gemeinsames Radfahren hilft, und jenseits der besagten Erkenntnisse profitieren davon das gegenseitige Verständnis und die Pflege des Austauschs miteinander. Der ADFC und die Vertreter der Stadt Bad Vilbel sind hier auf einem guten Weg des Gesprächs, wobei kontinuierliche Impulse und eine Beobachtung des Erreichten unverzichtbar bleiben.

Zu hoffen bleibt, dass die gute Stimmung auf der fast zweistündigen Tour die Radpolitik in Bad Vilbel weiter voranträgt. Das Fazit für den ADFC: Fahrradpolitischer Anschauungsunterricht kann zur Nachahmung empfohlen werden, getreu dem Motto „Erleben ist nachhaltiger als sehen ist nachhaltiger als lesen“.

Jochen Waiblinger, Walter Baumann


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