Kopfbild Biwerkreisel
27.03.2019 erstellt von: Christian Euler


Radschnellweg Frankfurt – Wetterau

In das geplante Radschnellwegenetz Rhein-Main aufnehmen!

Den Norden von Frankfurt aus einfach, kostengünstig und schnell an das geplante Radschnellwegenetz des Rhein-Main-Gebiets anschließen!

Paul van de Wiel (ADFC, Landesverband Hessen), Detlef Ulherr (ADFC Bad Nauheim / Friedberg) und Christian Euler (ADFC Bad Vilbel / Karben) haben in jüngerer Zeit gemeinsam Überlegungen angestellt, wie man die Wetterau in das geplante Radschnellwegenetz im Rhein-Main-Gebiet integrieren könnte. Nun ist es, fast drei Jahre seit dem ersten Gedanken daran, am 13. Februar 2019 im Haus der Begegnung in Bad Vilbel zu einem ersten organisierten Treffen von ADFC-Aktiven aus der Wetterau und Frankfurt gekommen. Ziel des Treffens: die Idee einer Radschnellverbindung von Frankfurt in die Wetterau entwickeln.


Die Idee einer schnellen und direkten Radwegeverbindung von Frankfurt über Bad Vilbel, Karben, Wöllstadt, Friedberg, Bad Nauheim und Ober-Mörlen bis nach Butzbach war geboren, mit Zubringern von Rosbach bis nach Wöllstadt und von Nidderau über Schöneck und Niederdorfelden bis nach Bad Vilbel. So wäre eine durchgehende Nord-Süd-Achse durch das Rhein-Main-Gebiet von Darmstadt über Frankfurt bis Butzbach und eventuell sogar Gießen verwirklicht, die in den bisherigen Planungen des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main nicht berücksichtigt ist. Dass bislang keine Überlegungen vonseiten der Kommunen in der Wetterau, des Wetteraukreises sowie des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main angestellt wurden, verblüfft, zumal das südliche Pendant von Frankfurt nach Darmstadt seit Jahren mit erheblichen ideellen und materiellen Ressourcen, wenngleich auch mit einigen Anfangsschwierigkeiten vorangetrieben wird.

Bild
Geplante und mögliche Radschnellwege Wetterau und Rhein-Main-Region
Grafik: Christian Euler

Bild
Die Trennung zwischen Rad- und Fußweg auf dem Radschnellweg Ruhr kommt gut an.
Foto: AGFS / Peter Obenaus

Ein Radschnellweg ist aufgrund seiner Ausstattungsmerkmale in erster Linie für den Alltagsradverkehr gedacht – also Berufspendler, Schüler/innen, Auszubildende, für Einkaufsfahrten, Fahrten zum Sportverein, Arztbesuche und Ähnliches. Er lädt aber genauso alle Radfahrenden zwischen acht und 88 Jahren zu stressfreien und entspannten Radfahrten zu Freizeitverabredungen, Konzertbesuchen, Sport- und Kulturveranstaltungen ein. Für die landschaftlich schöne Wetterau käme eine radtouristische Bedeutung quasi als Nebeneffekt dazu.

Die Merkmale eines „Radschnellwegs“ in der hessischen Variante sind nach den seit 2017 im Gange befindlichen Arbeiten des Arbeitskreises Nahmobilität und des Fachausschusses Radschnellverbindungen in etwa wie folgt zusammenzufassen:
• direkt (= kürzeste und beste Verbindung);
• regelmäßig vom Kfz-Verkehr getrennt, auf eigenen Wegen geführt und somit auch für
• Schulkinder und ältere Menschen angst- und stressfrei nutzbar;
• weitgehend kreuzungsfrei und/oder vorfahrtberechtigt;
• steigungsarm;
• (durchgängig) beleuchtet;
• ausreichend breit für Begegnungsverkehr und Überholvorgänge (für Radelnde und den Fußverkehr);
• Belag mit sehr guten bzw. guten Rolleigenschaften.

Warum sollte so etwas nicht auch für den Frankfurter Norden und die Wetterau möglich sein, wenn eine Radschnellverbindung in den Süden (hoffentlich) alsbald realisiert wird? Was es bislang an Projektideen gibt, ist die sogenannte Kurze Wetterau. Diese ist seit einigen Jahren im Gespräch, allerdings nicht in der Ausbauvariante Radschnellweg. Das Projekt schleppt sich leidlich dahin. Wesentliche Idee dahinter ist eine „Straffung“ des Nidda-Radwegs, etwa an den vielen Nidda-Schleifen (wie bei Karben und Bad Vilbel), durch Etablierung von Abkürzungen. Allerdings fließt die Nidda weder durch Friedberg noch durch Bad Nauheim und Butzbach. Stattdessen biegt sie bereits vor Wöllstadt nach Nordosten ab.

Erforderlich ist also im nördlichen Teil der angedachten Kurzen Wetterau eine eigenständige Routenführung. Auf Kreisebene laufen Planungen zusammen mit einem Planungsbüro aus Gießen. Ein wesentliches Manko der Kurzen Wetterau ist aber, dass diese am Alten Rathaus in Bad Vilbel enden soll, also schon gar keine Verbindung weiter nach Frankfurt geplant wird. Ein weiterer erheblicher Nachteil: Die Kriterien eines Radschnellwegs oder auch nur der niedrigeren Ausbauvariante Raddirektverbindung, die in den Planungen des hessischen Verkehrsministeriums zu einem Radhauptroutennetz zwischen Ober- und Mittelzentren eine wesentliche Rolle spielen, werden auf der kompletten Strecke der Kurzen Wetterau nicht erfüllt.

Der Gedanke ist also, unabhängig von der Kurzen Wetterau eine Radschnellverbindung Frankfurt – Wetterau auszuarbeiten – mit den oben genannten Merkmalen, die im Fall der Kurzen Wetterau teilweise aufgrund der vorhandenen Streckenführung, teilweise aufgrund finanzieller Ausstattung und nicht zuletzt auch aufgrund einer abweichenden Zielrichtung nicht realisierbar sind. Die hauptsächliche und der bisherigen Planung zur Kurzen Wetterau überlegene Konzeptidee ist, die Streckenführung der Radschnellverbindung Frankfurt – Wetterau (größtenteils) vis-à-vis der Ausbaustrecke der Main-Weser-Bahn, also der Schnellbahnlinie S6 verlaufen zu lassen.

Diese Streckenführung erfüllt die wesentlichen Kriterien eines Radschnellverbindung auf geradezu ideale Weise, denn sie ist direkt, steigungsarm und (weitgehend) kreuzungsfrei. Mit dem Ausbau der seit 1849 existierenden Main-Weser-Bahn eröffnet sich nach 170 (!) Jahren in der Wetterau eine geradezu historische Chance, einen Meilenstein für die Zukunft individueller Mobilität im urbanen und suburbanen Raum zu schaffen. Diese Zukunft, das wissen Radfahrende natürlich, hat zwei Räder und nicht vier und ist selbstverständlich umweltfreundlich und abgasfrei.

Sowieso zu realisierende Wirtschafts-, Rettungs- und Revisionswege neben den beiden neu zu errichtenden Bahntrassen könnten in Abstimmung mit der Deutschen Bahn für den Radschnellweg genutzt werden. Dies vergünstigt die für einen Streckenkilometer geschätzten Baukosten von bis zu einer Million Euro erheblich, wiewohl die Kosten für den Radwegeausbau im Vergleich mit den Infrastrukturkosten für Schiene und Kfz „Peanuts“ sind.

Auch hinsichtlich der geradezu billig zu habenden Infrastruktur von gerade mal 25 bis 30 Millionen Euro – dafür hat man in Frankfurt unlängst gerade einmal zwei oberirdische Straßenbahnhaltestellen der U5 umgebaut bekommen – erstaunt die Passivität aufseiten der Politik. Aber das wird sich aufgrund der Ideen des ADFC-Arbeitskreises, so bleibt zu hoffen, nunmehr ändern.
Von Vertretern der DB Netze AG, die für den Ausbau der Main-Weser-Bahn verantwortlich ist, gab es schon vor geraumer Zeit sehr positive Rückmeldungen auf diese Idee. Die Bahn mag hier vielleicht auch an das dem Ausbau der Radinfrastruktur anhaftende positive Image gedacht haben. Ihr ist jedenfalls nicht entgangen, dass sich die beiden ökologisch dem motorisierten Individualverkehr deutlich überlegenen Verkehrsträger auf geradezu symbiotische Weise ergänzen. Entlang der Bahnhöfe und Haltestellen der Main-Weser-Strecke gilt es, die intermodalen Verknüpfungen durch den Bau von Fahrradparkhäusern (die gegen Wetter und Diebstahl schützen) zu verbessern. Diese gehören genauso zu einer modernen Radinfrastruktur wie etwa Radservice-Stationen mit Luftpumpe und Reparaturwerkzeug, Pedelec-Ladestationen und Radzählstationen.

Wie das am Ende aussieht, kann man heute schon auf bereits verwirklichten Streckenabschnitten des deutschlandweit ersten Radschnellwegs Ruhr RS1 und des innerstädtischen eRadschnellwegs in Göttingen bestaunen. Für einzelne Streckenabschnitte bestehen bereits sehr konkrete Gedanken zu möglichen Trassenführungen. Die nächsten Treffen des neu gegründeten Arbeitskreises Radschnellweg Frankfurt – Wetterau werden genutzt, um dem Kontur zu geben.

Unsere Aufgabe wird es vor dem Hintergrund der zersplitterten Zuständigkeiten bei der Entwicklung überörtlicher bzw. regionaler Radinfrastruktur auch sein, die verschiedenen Akteure zusammen und (!) auf einen Nenner zu bringen. Bei der Radschnellverbindung Frankfurt – Darmstadt wurde die Regionalpark Südwest GmbH mit der Umsetzung beauftragt. Immerhin ist dabei ein erster Spatenstich bis zur letzten Landtagswahl herausgekommen. Professionelle Strukturen können also bei der Realisierung helfen, diese sind auch in der Wetterau anzustreben. Manchmal bedarf es bei Behörden und politischen Entscheidungsträgern eines Anstoßes von außen, eine Initialzündung bei den ersten Schritten übernehmen wir dabei gerne.

Klar ist, dass ohne progressive Konzepte und deren baldige Umsetzung keine nachhaltige Verbesserung und Veränderung der (Nah-)Mobilität zu erreichen sein wird. Über den Fortgang berichtet die Arbeitsgemeinschaft Radschnellweg Frankfurt – Wetterau gerne.


183-mal angesehen




© ADFC 2019

ADFC-Mitglied werden
Meldeplattform Radverkehr
Hessischer Radroutenplaner
bike-kitchen - unsere Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt
Radfahren üben auf dem Verkehrsübungsplatz