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18.07.2021 erstellt von: Theo Sorg


Radfahren und Bodenschutz – ein Gegensatz?

Schäden an der Oberfläche wassergebundener Deckschichten entstehen recht rasch, wie ein Weg im Bad Vilbeler Wald zeigt<p>Foto: Theo Sorg

In der letzten Ausgabe der FRANKFURT aktuell (3/21) hat Gabriele Wittendorfer zu Recht bemängelt, dass wassergebundene Deckschichten auf Radwegen als besonders umweltfreundlich gepriesen werden. Quer durch alle Medien ist die verbreitete Ansicht vorzufinden, dass Radwege in den sogenannten Naturschutzräumen zu einer Versiegelung führen und eine Zuführung des Oberflächenwassers in das Grundwasser verhindern. Die Vorbehalte aus Naturschutz, Landwirtschaft, Jägerei, Forstwirtschaft, Verkehrswegeplanung und nicht zuletzt der Politik wiegen schwer. Aber sind sie auch gerechtfertigt? Halten sie einer wissenschaftlichen Überprüfung stand?


Hier folgt ein Versuch. Der ADFC ist ja nicht zuletzt auch ein Umweltverband und als solcher vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Das gilt auch für viele seiner Gliederungen, und es gilt auch für den ADFC Bad Vilbel e. V. Diesem Anspruch müssen wir uns stellen.

Dass Radfahren ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept ist, ist heute weitgehend Konsens. Nichtsdestoweniger kommt es immer wieder zu unterschiedlichen Einschätzungen, wenn es konkret wird und um die Streckenführung und den Bau neuer oder den Ausbau vorhandener Wege geht. So gab es beispielsweise dem Hörensagen nach in den 1990er Jahren eine Anordnung des damaligen Umweltdezernenten Tom Königs in Frankfurt, der zufolge Wege außerhalb der Bebauungsgrenze nur als wassergebundene Wege ausgeführt werden dürfen. So sehen viele auch heute aus.

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Schäden in der Oberfläche wassergebundener Deckschichten entstehen schon nach kurzer Zeit, wie ein Weg im Bad Vilbeler Wald ersichtlich macht
Foto: Theo Sorg


Wassergebundene Wege sind in der Herstellung kostengünstiger, in der Unterhaltung hingegen deutlich aufwendiger und teurer – es sei denn, man verzichtet auf Letztere und nimmt dafür Schlaglochpisten in Kauf. Im Frühjahr und Herbst, das heißt in den niederschlagsreichen Zeiten werden die Wege aufgeweicht; oftmals werden sie zugleich auch durch land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge und Geräte verstärkt genutzt. Die Oberflächen werden dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen. Doch auch längere Trockenzeiten zehren an den Oberflächen, es entstehen Sandlöcher. Wiegt der behauptete ökologische Vorteil diese Nachteile tatsächlich auf? Gibt es ihn überhaupt? Oder ist vielleicht gar das Gegenteil der Fall?

Schauen wir uns um. Es gab in der Tat schon einige Untersuchungen zu diesem Thema, die Ergebnisse sind aber kaum bekannt. Hochlöblich ist das Land Mecklenburg-Vorpommern zu erwähnen, denn dieses hat die Baustoff- und Umweltlabor GmbH, Friedrichsmoor, mit der Untersuchung der strittigen Frage beauftragt. Der Titel des von dem Labor erstellten Gutachtens klingt eher abschreckend: Prüfung der Vergleichbarkeit von bodenmechanischen Eigenschaften natürlicher Böden mit Radwegekonstruktionen in naturnahen Bereichen. Das Ergebnis hingegen ist erstaunlich. In dem Gutachten heißt es: „Insbesondere der gebundenen Decke (Asphalt, Beton) wird eine negative Veränderung der Bodenverdichtung und der Wassergehalte unterstellt. Dies ist nicht der Fall.“

Die übliche Annahme, dass die ungebundene Befestigung (auch wassergebunden genannt) ein positives Bespiel für ökologisches Bauen sei, wird in dem Gutachten widerlegt. Den Nachweis brachten Messungen und der Vergleich von Daten zur Bodenverdichtung und zum Wasserhaushalt unter Radwegen, im Böschungsbereich und im angrenzenden natürlichen Gelände bei den verschiedensten Böden.

Die Autoren hinterfragen die Fähigkeit der Versickerung von Oberflächenwasser bei wassergebundenen Wegedecken. Auf unbefestigten Wegen in Flur und Feld hinterlassen Fahrzeuge, auch Fahrräder, hochverdichtete Spurrillen. Es kommt dabei weniger auf das Fahrzeuggewicht an als vielmehr auf die Flächenpressung. Die Wasserabführung in den Untergrund wird stark verlangsamt, wenn nicht gar unterbunden. Wie anders wären tagelang stehende Pfützen zu erklären? Durch die hohe Flächenpressung kommt es auch zu Störungen der Wasser-Querströmungen im Untergrund, die auch in relativ großen Tiefen noch nachweisbar sind. Gebundene Radwege hingegen schützen den Untergrund vor extremer Nachverdichtung. Im Jahresmittel ergibt sich der Studie zufolge unter den asphaltierten Radwegen ein höherer Wassergehalt als im Gelände. „Auf allen Bodenstandorten lässt sich aus den Ergebnissen unter gebundenen Decken (Pflaster, Asphalt, Beton) keine Negativveränderung des Wasserhaushaltes ableiten. Eine Versiegelungswirkung kann, ausgehend von den ermittelten natürlichen Wassergehalten, nicht nachgewiesen werden.“

Warum zieht niemand Konsequenzen aus solchen Erkenntnissen? Wir merken uns: Ein Radweg mit befestigter bzw. gebundener Decke ist ein „Bodensiegel“ ohne versiegelnde Wirkung. Jetzt gilt es „nur noch“, die tiefen Überzeugungen der Radwegskeptiker mit guten Argumenten aus der Wissenschaft zu überwinden.

Karl Pfeil, Theo Sorg


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