Kopfbild Freundliche Begegnung
20.08.2022 erstellt von: Theo Sorg


Fahrradfahren mit Kindern in Bad Vilbel

Veränderungen sind dringend gefragt!

Ein Besuch bei den Großeltern nach dem Schluss des Kindergartens ist für die Kinder ein willkommenes Ereignis. In dem Beispiel, das in diesem Beitrag vorgestellt wird, ist der Weg dorthin nur einen knappen Kilometer lang.


Um diese Strecke zu bewältigen, ist das Fahrrad hervorragend geeignet, zumal der Weg durch ein „ruhiges“ Wohngebiet führt. So holt Opa seine Enkelin mit dem Fahrrad ab, und mit der kleinen Schwester im Kindersitz werden sie von Mama begleitet. Das Kind fährt auf dem Gehweg, auf der Straße fahren Mama mit der kleinen Schwester im Kindersitz und Opa. Obwohl eine der erwachsenen Personen den Gehweg benutzen dürfte, bevorzugen beide die Fahrbahn. Der Gehweg ist zu schmal und die Absätze an Straßeneinmündungen sind mit Kind im Kindersitz ein Balanceakt.

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Das Kind fährt auf dem Gehweg, aber so kann ein "ruhige" Nebenstraße auch aussehen!
Alle Fotos: Petra Schickling

Eine der Herausforderungen für die Kleinen: Poller zum Schutz vor rücksichtslosen Autofahrenden und Hauseingänge, aus denen jederzeit jemand/etwas herausspringen kann, dazu mindestens einmal pro Woche Mülltonnen auf dem Gehweg. Hinzu kommt an einer engen Stelle ein Zigarettenautomat an der Hauswand – genau in Kopfhöhe des Kindes.

An dieser im folgenden Bild festgehaltenen Stelle ist der Gehweg – zu schmal für die Begleitung des Kindes. Hinzu kommt: Durch einen parkenden Kleintransporter wird die Sicht auf die Hofausfahrt für die Begleitpersonen versperrt, und die Person, die den hier von rechts kommenden Pkw lenkt, muss, um den Straßenverlauf einsehen zu können, auf dem Gehweg halten. Ein Kind wird in einer solchen Situation schnell mal „übersehen“. Im Grunde bleibt für alle drei Radelnden nur, abzusteigen und das Rad auf dem Gehweg zu schieben.

Das Überqueren der Straße im weiteren Verlauf des Weges verlangt starke Nerven. Die Begleitperson schaut, ob die Querung frei ist, fährt bis zur Mitte der Kreuzung, bleibt so stehen, dass sie gesehen wird, und wartet, bis das Kind die Straße sicher überquert hat.
Die Alternative auch hier: absteigen und schieben. Das wäre StVO-konform, aber weltfremd. Es dauert viel zu lange, Fahrradfahren macht dann keinen Spaß mehr und man könnte gleich laufen.

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Auch das Überqueren der Straße im weiteren Verlauf des Weges verlangt starke Nerven. Poller, kaum einsehbare Hauseingänge, Mülltonnen, Zigarettenautomaten. Kinder haben kaum Platz zwischen teilweise illegal auf den Gehwegen parkenden "Stadtpanzern" und abgestellten Mülltonnen.

Die Aufnahmen entstanden kurz vor den hessischen Sommerferien 2022 an einem Tag mit Müllabholung, was jede Woche ein- bis zweimal vorkommt. Die Wegstrecke ist 910 Meter lang. Es sind vier Querstraßen zu passieren, drei davon mit weniger Verkehr. Rechts neben dem Gehweg sind zwei Querparkplätze mit mehreren Parkbuchten angelegt, und mehr als die Hälfte aller Häuser haben Hofeinfahrten.

Zur Begleitung eines Kindes auf dem Gehweg ist dieser auf nahezu der gesamten Länge viel zu schmal, und gerade zum Kindergarten- und Schulschluss sind Kinder mit und ohne Begleitung auf ihm unterwegs. Durch parkende Autos wird die Sicht auf das zu begleitende Kind an vielen Stellen versperrt. Hinzu kommt eine Straßenmöblierung, an deren Gefährdungspotenzial für Kinder offensichtlich niemand denkt. Wie lange sollen wir Infrastrukturen wie diese noch hinnehmen? Wie sieht das in anderen Gemeinden aus?

Einen guten Eindruck von den Zumutungen für die Kinder und die Begleitpersonen, wenn sie mit Kindern unterwegs sind, vermittelt das Video Kinder im Straßenverkehr in dem YouTube-Kanal des ADFC Aachen https://www.youtube.com/ADFCAachen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verunglückten In Deutschland im Jahr 2020 im Straßenverkehr 22 462 Kinder, 41,1 Prozent davon mit dem Fahrrad. Dies ist nur die polizeilich aufgenommene Zahl. Die tatsächliche Zahl dürfte bedeutend höher sein. Hier gilt es, die Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden für das Thema zu sensibilisieren und sichere Wege einzufordern. Das Verkehrsumfeld muss mehr an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet werden, denn gerade in Wohngebieten fließt zunehmend mehr Autoverkehr. Und Kinder kommen nun mal nicht straßenverkehrstauglich auf die Welt. Das Verkehrsumfeld ist nicht fahrradfreundlich, schon gar nicht für Kinder. Siehe hierzu auch: Kinder im Straßenverkehr – Wann können Kinder was? https://www.verkehrswacht-medien-service.de/kindergarten/kinder-im-strassenverkehr/

Theo Sorg
Bilder: Petra Schickling


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