Kopfbild Bad Vilbel Winter
24.10.2022 erstellt von: Jochen Waiblinger


Park(ing) Day erstmals auch in Bad Vilbel

Der internationale Park(ing) Day am 16. September 2022 wurde erstmals in Bad Vilbel durch drei dem Gedanken der Nachhaltigkeit verbundene Gruppierungen unterstützt. An diesem Tag wurde weltweit zum 17. Mal auf die Verschwendung öffentlicher Flächen und Ressourcen für ruhenden privaten Autoverkehr hingewiesen.


Auch der ADFC Bad Vilbel, der Bienenzuchtverein und die Initiative Bad Vilbel Plastikfrei widmeten in diesem Rahmen Parkplätze in bunte Aktionsflächen um um – für fünf Stunden in der innerstädtischen Frankfurter Straße. Stellen der Stadt Bad Vilbel hatten durch schnelle Genehmigungen und die Aufstellung der notwendigen Schilder bei den Vorbereitungen mitgeholfen.

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Alle Fotos: Jochen Waiblinger

An der beliebten und belebten Vilbeler Einkaufsstraße wurden Tische, Bänke und ein mobiler Stand aufgebaut, an denen mit Kaffee, frischem Süßen, Kuchen und herzhaftem Gebäck zum lockeren Gespräch eingeladen wurde. Die Firma Hassia spendete zusätzlich zwei Kästen Kaltgetränke. Blumenkästen grenzten die Parkplätze gegen den Fußweg ab, der Liegestuhl blieb allerdings trotz des trockenen Wetters ungenutzt.

Weniger Flächen für Parkplätze, mehr Raum für den Fuß- und den Radverkehr sowie ein besserer öffentlicher Nahverkehr in der Innenstadt – das sind keine einhellig geteilten Forderungen. Die Reaktionen, sowohl im Vorfeld als auch am Aktionstag selbst, waren daher erwartungsgemäß vielfältig. Insgesamt zeigten die Gespräche das komplette Spektrum von breiter Zustimmung bis hin zu vollständiger Ablehnung des Denkanstoßes für weniger privaten Autoverkehr in der Frankfurter Straße. Einige Aspekte werden wir in unsere regelmäßigen Gespräche mit der Stadt mitnehmen.


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HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Kosten eines Parkplatzes im öffentlichen Raum und (Neu-)Bepreisung für dessen Nutzung
Damit wir wissen, worüber wir reden

Baukosten

a) offen, gepflastert
Im Kontext des Neubaus diverser Pendlerparkplätze an den Bahnhöfen Brandenburgs im Jahr 2017 wurden Erstellungspreise von 8000 bis 10.000 Euro pro offenem, gepflasterten Parkplatz errechnet.Kostensenkend wirkt sich hierbei die größere zu bebauende Fläche aus. Einzelparkplätze längs oder quer zur Straße dürften oberhalb der Grenze von 10.000 Euro anzusiedeln sein.

b) Parkhäuser/Tiefgaragen
Hier werden in verschiedenen Abhandlungen Preise zwischen 15.000 und 45.000 Euro pro Stellplatz genannt. Die Mitte 2021 in Bad Vilbel eröffnete Tiefgarage der VilCo kostete laut diversen Zeitungen rund 20 Millionen Euro – umgerechnet auf die 370 geschaffenen Parkplätze also 54.000 Euro pro Platz. (Vielleicht kann man 3 bis 4 Millionen Euro für Infrastruktur und Aufzüge herrausrechnen; dann sind es „nur“ 42.000 bis 45.000 Euro).

Immerhin: Bad Vilbel hat den Parkraum unter die Straße gelegt, was schon in vielen Städten europaweit gemacht wird.

Betriebskosten

Die Agora Verkehrswende hat 2017 für jeden Parkplatz in Berlin die folgende Rechnung aufgemacht:

Gesamtkosten pro Jahr knapp 220 Euro, davon

  • 99 Euro für öffentliche Sicherheit (Überwachung, Kontrolle von Regelverstößen),
  • 59,40 Euro für allgemeine Verwaltung (zum Beispiel Planung, Parkraummanagement),
  • 61,40 Euro für Bauleistungen, Entwässerung, Reinigung, Winterdienst, Beleuchtung.
Nutzungsentgelte

Bis zum 1. Oktober 2020 durften die Kommunen für das Anwohner:innenparken nur eine Jahresgebühr von 30,70 Euro erheben; inzwischen sind recht drastische Sprünge eingetreten. Aber nur wenige Kommunen folgen der Forderung der Umwelthilfe nach mindestens 365 Euro (Preis des diskutierten ÖPNV-Jahrestickets).

Ab wann ist der Preis für Anwohner:innenparken prohibitiv hoch, sodass das Auto oder der Zweitwagen abgeschafft werden?

Preisberechnungen könnten nach Bodenrichtwerten, Preisen für Sammelgaragen, Herstellungskosten oder Sondernutzungsgebühren wie Marktständen erfolgen.

Maßnahmen, die helfen könnten:

  • Generell sollte in den Innenstädten das „Grundrecht“ auf einen eigenen freien Parkplatz vor dem Lieblingsgeschäft oder der Haustür als Regelfall gestrichen werden.
  • Das Parkticket in der Innenstadt sollte teurer sein als das ÖPNV-Ticket.
  • Der öffentliche Raum sollte neu verteilt werden, unter anderem durch die Verlegung von Parkplätzen unter die Erde.
  • Hilfreich wären weiterhin Ausweitungen der Carsharing-Angebote, Begrünungen des freiwerdenden Parkraums oder Nutzungen als Fläche für den Fuß- und den Radverkehr.
Übrigens: Nach Angaben des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags von 2017 nutzen nur 30 bis 50 Prozent der Menschen im inneren Bereich der Städte das Auto für die Bewältigung ihrer Strecken als Fahrende oder Beifahrende. Die übrigen Rest 50 bis 70 Prozent sind zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV unterwegs.

Zusammengestellt von der AG Verkehr des ADFC Bad Vilbel


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