Kopfbild Biwerkreisel
28.08.2019 erstellt von: Dr. Ute Gräber-Seißinger


Radverkehrsförderung „light“

Massenheimer Weg

Die Stadt Bad Vilbel fördert den Radverkehr – nach eigenem Bekunden mit 4,2 Millionen Euro in den Jahren 2019 und 2020, entsprechend einem Anteil an den gesamten städtischen Investitionen von 4,6 Prozent. Doch wenn private Großprojekte in die Quere kommen, von denen sich die Stadtregierung Prestige versprechen mag, gerät das umweltfreundliche Verkehrsmittel im Rathaus ganz schnell wieder ins Hintertreffen.


Der nicht zuletzt von Schülerinnen und Schülern stark frequentierte Radweg auf dem Massenheimer Weg, der vom „Schwimmbad“-Kreisel auf der Homburger Straße in Richtung Massenheim abzweigt und der die Kernstadt und Massenheim vergleichsweise direkt miteinander verbindet, soll geopfert werden. Oder prosaischer formuliert: Er soll gekappt werden. Dies ist der 2. Änderung des Bebauungsplans „Schwimmbad“, die den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt im Juli offengelegt wurde, zu entnehmen.

Nunmehr sieht der Bebauungsplan für das Schwimmbad – gängig für das schätzungsweise 200 Millionen Euro schwere Großprojekt sind auch die Bezeichnungen Kombibad, Therme oder Spaßbad – eine erweiterte Bebauungsfläche vor. Infolgedessen soll der Massenheimer Weg zur Sackgasse werden, die an der Ostseite des neu bestimmten Planareals an dessen Grenze stößt.

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Noch ist der direkte Weg zwischen Massenheim und Schulzentrum (im Bild oben) für Radelnde offen. Der neue Radweg zweigt nach der Brücke über die B 3 (links oben im Bild) in südlicher Richtung ab und mündet in den Riedweg.
Karte: OpenStreetMap

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Diese Passage des Massenheimer Wegs soll wegfallen und in dem zu bebauenden Areal aufgehen (rechts im Bild das Gebäude der Kennedyschule).

So what?, könnte man sagen. Wird doch als Alternative von den Verantwortlichen ein bereits gebauter – und ebenfalls beleuchteter – Radweg zwischen der Brücke über die B 3 am westlichen Rand des Bebauungsgebiets und dem Riedweg angepriesen, der zum südlichen Rand des Geländes der drei Schulen führt. Der Haken daran: Sie ist, geht man von der besagten Brücke aus und misst bis zum Eingang der Saalburgschule, mit 1,2 Kilometern Länge mehr als doppelt so lang wie die derzeit noch bestehende, 500 Meter lange Route über den Massenheimer Weg.

Dass das Bad Vilbeler Stadtparlament die Bebauungsplanänderung mit den Stimmen von CDU, FDP und Freien Wählern gutgeheißen hat, zeugt einmal mehr von der in der lokalen Politik noch immer weit verbreiteten Fehleinschätzung der ökologischen und gesundheitlichen Bedeutung des Radverkehrs. Droht doch durch den Beschluss des Stadtparlaments nach 2016 die nunmehr zweite unmittelbar sichtbare Verschlechterung der Bedingungen für den lokalen Radverkehr zwischen Massenheim und Kernstadt – und nicht zuletzt für die Kinder und Jugendlichen, die ihren Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegen.

Die Vorgeschichte dazu: Im Jahr 2016 wurde die Homburger Straße, die Hauptverkehrsachse zwischen Kernstadt und Massenheim, einseitig kfz-freundlich umgebaut. Der Umbau folgte einer Planung, die ursprünglich noch einen straßenbegleitenden Radweg aufgewiesen hatte, dann aber modifiziert wurde. Der straßenbegleitende Radweg wurde gestrichen – man könnte fast sagen heimlich, still und leise. Erst wenige Tage vor dem Beginn der Bauarbeiten wurde eine Veranstaltung zur Bürgerinformation durchgeführt, durch die die Neuplanung für die Öffentlichkeit erkennbar wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren die Würfel längst gefallen.

Wir vom ADFC Bad Vilbel stellten uns gegen die Neuplanung und zeigten auf, dass alternative, dem Radverkehr entgegenkommende Gestaltungen für die Homburger Straße durchaus möglich waren. Die Mühe war leider vergeblich, denn die Stadt beharrte auf ihrer Planung. Immerhin wurde der Massenheimer Weg aufgrund der massiven Kritik – die nicht nur von unserer Seite kam – zum großzügigen, radverkehrsfreundlichen Ausbau geplant. Diese Planung findet sich auch im Radverkehrskonzept der Stadt vom August 2017 noch wieder.

Kurz gesagt: Die radverkehrspolitische Verfehlung beim Umbau der Homburger Straße ließ sich nicht verhindern. Doch immerhin war im Radverkehrskonzept und auch im Kontext des ursprünglichen Bebauungsplans für das Schwimmbad ein vergleichsweise direkter und überdies gut ausgebauter Radweg nach Massenheim, ausgehend vom „Schwimmbad“-Kreisel auf der Homburger Straße, vorgesehen. Nun soll durch die Umplanung des Schwimmbads in der Nachbarschaft des Schulzentrums auch dieser Weg entfallen. Es dürfte angemessene Möglichkeiten geben, dies zu verhindern.


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