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22.02.2020 erstellt von: Jochen Waiblinger


Gefahrenpunkte auf dem täglichen Weg zur Arbeit

Oder: Meldeplattformen und ihre Grenzen

Verkehrsinsel an der Gabelung Friedberger Landstraße - Heiligenstockweg<p>Foto: Jochen Waiblinger

Seit einigen Jahren pendele ich mit dem Fahrrad wochentäglich von Bad Vilbel zu meiner Arbeitsstelle in Frankfurt. Dabei genieße ich es, auf den benutzten Radwegen an den Autostaus vorbeizufahren, und ich freue mich auch darüber, dass sich das Miteinander der diversen Verkehrsmittel (hier primär Auto, Rad und Fuß) im Großen und Ganzen ständig verbessert und dass die Verbesserungen der Fahrradinfrastruktur in dieser Zeit sichtbar vorangeschritten sind.


Und dann gibt es für das Rhein-Main-Gebiet ja auch noch diese schöne Meldeplattform Radverkehr, über die man/frau Informationen zu Problemen verschiedenster Art eingeben kann, die sodann an die zuständigen Stellen weitergeleitet werden. Häufig werden diese Probleme auch zügig behoben. Die Geschwindigkeit der Problemlösung hängt allerdings wohl immer davon ab, welcher administrative und/oder finanzielle Aufwand die Beseitigung der beschriebenen Mängel mit sich bringt. Dieser Zusammenhang wird dann besonders heikel, wenn es sich bei den Mängeln nicht „nur“ um Ärgernisse, sondern um manifeste Gefahrenpunkte handelt.

Gefahrenpunkt 1: Mehrfach gemeldet ... und (k)eine Antwort

Der folgende Sachverhalt wurde im ersten Quartal 2018 über die Meldeplattform zweimal erfolglos gemeldet, dann ein weiteres Mal Ende letzten Jahres: Von Bad Vilbel aus möchte ich – von der Alten Frankfurter Straße (ab Stadtgrenze Friedberger Landstraße) kommend – auf den gut ausgebauten Radweg entlang der Friedberger Landstraße (B 521) auffahren (siehe Abbildung 1).

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Gabelung Friedberger Landstraße – Heiligenstockweg
Screenshot: Google

Die Führung des Radverkehrs ist hier an der Gabelung nicht intuitiv einsichtig und nicht eben sicher, wenn man den nachfolgenden Kfz-Verkehr in Richtung Frankfurt-Berkersheim betrachtet. Als Radelnder muss man zunächst nach halbrechts in den Heiligenstockweg einbiegen, gleich darauf um eine Verkehrsinsel herumfahren und dann schließlich links auffahren (Abbildung 2). Hinzu kommt, dass der Übergang zwischen Fahrbahn und Radweg mit einem rund 9 Zentimeter hohen Bordstein versehen ist, der auf einem schmalen Teilstück tektonisch auf rund 6 Zentimeter abgesackt ist.

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Die Gabelung, von Bad Vilbel aus gesehen
Alle Fotos: Jochen Waiblinger

Gefährlicher noch ist der Rückweg von Frankfurt aus, wenn ich vom Radweg auf den Heiligenstockweg wechseln muss, um dann in die Friedberger Landstraße / Alte Straße einzubiegen. Halte ich vorschriftsmäßig am Straßenrand, so endet die freie Sicht nach links (auf den eventuell auf dem Heiligenstockweg herannahenden Autoverkehr) nach etwa 10 Metern, bedingt durch eine kleine, gemeine Kurve – deutlich zu früh für den gestressten automobilen Feierabendverkehrsteilnehmer, um rechtzeitig zu bremsen, sollte ich bereits auf die Straße auffahren (Abbildung 3).

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Einmündung Heiligenstockweg. Schlechte Sicht für Radelnde wie für den Kfz-Verkehr

Ich empfahl in der Meldung einige Maßnahmen zur Entschärfung der Situation: Montage eines Spiegels auf der Verkehrsinsel, Verlagerung der Auffahrt, angemessene Absenkung des erwähnten Bordsteins. Als Antwort erhielt ich vom Frankfurter Amt für Straßenbau und Erschließung die Mitteilung, dass

  1. man sich die Sache vor Ort angesehen habe – klasse, auch wenn ich gerne dabei gewesen wäre;
  2. die besagte Fläche auf Bundesgebiet liege und somit Hessen Mobil zuständig sei – okay;
  3. die Absenkung des Bordsteins ausreichend sei – ist die Person, die geantwortet hat, nie selber Rad gefahren?;
  4. die Sichtverhältnisse an der Gabelung ausreichten – hat man dies mit einer Röntgenbrille getestet?;
  5. bei einer Verschiebung des Übergangs zwischen Radweg und Fahrbahn die von der B 521 kommenden Fahrzeuge Vorfahrt hätten und dies daher nicht zu empfehlen sei – ich hatte allerdings empfohlen, lediglich die Auffahrt auf den Radweg zu verlagern; bereits derzeit haben die von der B 521 kommenden Fahrzeuge Vorfahrt.
So viel zu Wahrnehmungsdifferenzen im Straßenverkehr. Ein klärendes Antwortschreiben meinerseits an das Amt blieb leider ohne Resonanz. Auch Hessen Mobil hat sich bis Redaktionsschluss nicht gemeldet.

Gefahrenpunkt 2: Frisch gemeldet ... aber wie konnte so etwas gebaut werden?

Der zweite Gefahrenpunkt betrifft die Kreuzung Friedberger Landstraße / Gießener Straße. Die Friedberger Landstraße ist eine der großen Frankfurter Einfallschneisen des aus dem Norden kommenden Verkehrs. Die Fahrt auf dem an der Friedberger Landstraße stadteinwärts verlaufenden Radweg ist an der Kreuzung, ebenso wie auf der Straße, durch eine Ampel geregelt (Abbildung 4).

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Kreuzung Friedberger Landstraße / Gießener Straße, Blickrichtung Frankfurt, Innenstadt

Der von rechts aus der Gießener Straße kommende (Kfz-)Verkehr muss während der für die Friedberger Landstraße geltenden Grünphase logischerweise warten. Für den an der Südseite der Gießener Straße verlaufenden Radverkehr, der nach rechts in die Friedberger Landstraße einbiegt, gilt die entsprechende Ampel jedoch nicht (sie steht links vom Radweg, Abbildung 5). Dadurch kommt es zu einer extrem gefährlichen Situation: Gemäß StVO haben Radelnde, die aus der Gießener Straße kommen, Vorfahrt. Dies allerdings ist für Radelnde auf der Friedberger Landstraße weder erwartbar noch erkennbar. Hinzu kommt, dass durch das Gefälle der Friedberger Landstraße im betrachteten Bereich der Radverkehr dort häufig schneller ist als üblich.

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Achtung, Radelnde von links! Eine solche Warnung fehlt an der Kreuzung Gießener/Friedberger.

Hier müsste daher, um Kollisionen von Radelnden vorzubeugen, dringend eine zusätzliche Ampel für den Radverkehr installiert werden. Zumindest jedoch wäre es angebracht, durch Warnschilder oder Markierungen des Bereichs der Radverkehrseinfädelung auf die Gefahr hinzuweisen.

Ich bin schon sehr gespannt, wann es eine Antwort geben und wie der Lösungsansatz aussehen wird. In den vergangenen 18 Monaten bin ich in Frankfurt in Sachen Radverkehrssicherheit auch schon öfters positiv überrascht worden.


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