Freundliche Begegnung während der Early-Morning-Tour im Juli 2016<p>Foto: U. Gräber-Seißinger
25.02.2022 16:00erstellt von: Dr. Ute Gräber-Seißinger


Radschnellweg Frankfurt–Wetterau

ADFC für Route an der Main-Weser-Bahn

<i>Der Radschnellweg Wetterau–Frankfurt – in etwa so könnte er aussehen

Der gegenwärtig geplante Radschnellweg Wetterau-Frankfurt (FRM 6) könnte eine wenig attraktive Streckenführung erhalten – und damit die Motivation von Pendlerinnen und Pendlern schwächen, vom Auto aufs Rad umzusteigen. Dies ist zumindest zu befürchten. Das Thema beschäftigt eine regionale Arbeitsgruppe des ADFC, die von unserem Ortsverband initiiert wurde und koordiniert wird. Grund für unsere Bedenken ist, dass in der vom Regionalverband FrankfurtRheinMain vorgestellten Machbarkeitsstudie der Ausbau der Main-Weser-Bahnlinie zwischen Frankfurt am Main und Friedberg im Hinblick auf die Streckenführung des Radschnellwegs nicht ausreichend berücksichtigt wurde.


Eine mögliche Führung entlang der Bahnstrecke würde die Radverbindung aus unserer Sicht hingegen für viele Menschen ausgesprochen attraktiv machen. Ebenso wie die Bahnlinie würde auch die Radverbindung direkt verlaufen; die Steigungen wären moderat, es gäbe keine engen Kurven, nur wenige Kreuzungen und kaum Konfliktpotenzial mit dem Fußverkehr oder der Landwirtschaft. Solche Merkmale prädestinieren die Strecke für einen Radschnellweg: Will man die Menschen darin unterstützen, ihre Gewohnheiten zu ändern, um Verkehrswende und Klimaschutz voranzubringen, so gilt es, attraktive Alternativen zu schaffen, die vom Zwang zum Auto befreien.

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Der Radschnellweg Wetterau–Frankfurt – in etwa so könnte er aussehen
Foto: ADFC Hessen

Die vorgestellte Machbarkeitsstudie weist demgegenüber Streckenvarianten aus, die zu wenige Pendelnde dazu motivieren dürften, aufs Fahrrad umzusteigen: Sie beinhalten Streckenvarianten mit engen Kurven und langen und steilen Anstiegen – in Bad Vilbel beispielsweise den „Heartbreak Hill“, die Passage auf der Frankfurter Straße bis hoch zur Stadtgrenze nach Frankfurt. Sie umfassen enge Ortsdurchfahrten mit viel Verkehr und Wege, auf denen unzureichende Verkehrsflächen zu Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmenden wie Spazierengehenden und der Landwirtschaft führen würde.

Die Verknüpfung von Bahnausbau und Radschnellweg könnte hingegen auch praktische und finanzielle Synergie-Effekte zur Folge haben: Im Zuge des Gleisausbaus wurden Baustraßen und Rettungswege parallel zur Bahnstrecke angelegt. Nach Abschluss der Ausbauarbeiten könnten sie umgewidmet und zu einem attraktiven Radschnellweg Wetterau–Frankfurt ausgebaut werden. Gegenüber den Kosten sonst üblicher Neubaustrecken könnte somit eine erhebliche Ersparnis erzielt werden. Kurz: Der Ausbau der Main-Weser-Bahnlinie bietet die historische Chance zum kostengünstigen Bau eines FRM 6 und somit zu einer wegweisenden Verbesserung der Verkehrssituation in der Wetterau. Die Arbeitsgruppe des ADFC hatte diese Idee bereits im Herbst 2019 in Bad Vilbel im Rahmen eines Workshops vor zahlreichen kommunalen Mandatsträgerinnen und -trägern präsentiert.


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Baustraße entlang der Bahnlinie in Frankfurt-Berkersheim
Foto: Christian Euler

Vergebens ist die Machbarkeitsstudie des Regionalverbands allerdings keineswegs. Auch wenn die vorgestellten Streckenvarianten sich für den Radschnellweg kaum eignen, so werden dennoch Teilstücke von ihnen eine wichtige Rolle als Zubringer und Verteiler zur angestrebten attraktiven Hauptverbindung des FRM 6 spielen, meint die ADFC-Arbeitsgruppe.

Wir rufen den Regionalverband und die beteiligten Kommunen dazu auf, erneut das Gespräch miteinander zu suchen mit dem Ziel, zu einer für alle betroffenen Gemeinden optimalen Streckenführung zu gelangen.

Theo Sorg, Ute Gräber-Seißinger


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