Freundliche Begegnung während der Early-Morning-Tour im Juli 2016<p>Foto: U. Gräber-Seißinger
01.07.2016 erstellt von: Matthias Marcks


Da Venezia per Bicicletta – anno 1988 und 2016

Venedigs Altstadt, der <i>Centro Storico</i><p>Foto: Wikimedia Commons

MÜNCHEN, SAMSTAG, 7. MAI 2016. Mein ältester Sohn nimmt gerade an einem Strecken-Segelfluglehrgang im Lahn-Dill-Kreis teil. Ich verfolge seinen Kurs online auf dem Handy, während ich mit der Restfamilie – meiner Frau und den beiden jüngsten Kindern, die das Teenie-Alter bald auch verlassen – durch den Olympiapark schlendere und wir allmählich Kurs auf die am Abend anstehende größere Geburtstagsfeier in der Verwandtschaft meiner Frau nehmen. Ein verlängertes Wochenende in München ist nicht das Schlechteste.

Da meldet sich der zweitälteste Sohn Christian per WhatsApp: „Papa, ich will nach Venedig fahren. Hast du einen Tipp?“, fragt er mich.


Ich schicke ihm ein Fahrradsymbol und will ihm damit im Gedenken an meine Tour von Augsburg bis nach Venedig im Jahr 1988 zu verstehen geben, er könne doch das Fahrrad nehmen. Allerdings rechne ich nicht im Ernst damit, dass er genau das vorhat. Einige Stunden und WhatsApp-Zeilen später habe ich es aber begriffen. Ein Freund will auch noch mitkommen, und nun wünschen sich die beiden Tipps vom Vater. Welche Ehre! Ohne mein Schicksal vorauszuahnen, schreibe ich meinem Sohn: „Ich komme mit.“ Auch dieses Mal habe ich nicht damit gerechnet, dass genau das eintreten wird, was ich im Sinn habe – ja, dass ich offenbar sogar etwas mehr als nur geduldet bin. Somit kommt jetzt richtig Schwung in die Sache, denn die beiden Jungs haben den Vorsatz gefasst, am Pfingstwochenende zu fahren. Das sind weniger als vier Tage Vorbereitungszeit.

Bei dem Gedanken an meine Urlaubs-Pack-Allergie fange ich an zu schwitzen, reiße mich aber zusammen und bestätige meine Teilnahme. Denn genau eine solche Tour über die Alpen hatte ich seit 1988 nicht mehr gemacht, und genau dies war ein latenter und inzwischen fast vergessener Traum geblieben. Jetzt oder nie!

***

AM SONNTAG, DEM 8. MAI AM NACHMITTAG, nach meiner Rückkehr nach Bad Vilbel, muss ich erst einmal die Campingutensilien sichten und die Defizite im Bereich Packtaschen durch eine schnelle Bestellung kompensieren. Der alte Whisperlite-Kocher tut‘s noch, aber das Zelt in der passenden Größe ist im letzten Jahr einem Sturm zum Opfer gefallen, sodass noch irgendwo Ersatz organisiert werden muss. Die nächsten drei Nächte werden, was den erholsamen Schlaf angeht, sehr kurz, denn auch die Route will vorbereitet werden: Strecke planen, GPX-Daten herunterladen, Karten zum Zielgebiet herunterladen und so weiter. Zum Glück hat mein Sohn die Seite muenchen-venezia.info entdeckt, die eine vollständige manuelle Planung überflüssig macht und den ganzen Prozess erheblich beschleunigt. Trotzdem lässt sich die Frage nach Zeltplätzen oder anderen Unterkünften auch auf der Grundlage dieser Website nicht ganz befriedigend klären.

So langsam frage ich mich, wie wir 1988, damals vier Studenten, den Weg von Augsburg nach Venedig und wieder zurück gefunden haben. Es gab keine Handys, kein Navi. Die Karten waren aus Papier im Maßstab 1:200.000 und hatten Zeitungsformat. Eigentlich kann man damit unmöglich aus einem Ort jemals wieder herausfinden. Und wenn sich unsere Wege mal getrennt hätten, hätten wir uns ohne Mobilfunk nie wiedergefunden. Ich habe keine genauen Erinnerungen mehr, aber irgendwie ging es doch.

Ja, ich war schon mal in Venedig! Wir bekamen unterwegs kindskopfgroße pompelmo geschenkt – Grapefruits, damals noch Pampelmusen genannt – und wurden auf der steilen Passstraße zum Penser Joch von Italienern aus dem Auto heraus angefeuert und mit Brot versorgt. Wir übernachteten am Straßenrand ohne Zelt und kamen in der sommerlich heißen Po-Ebene vor Hitze fast um. Venedig war heiß, fahrradfeindlich und teuer.

Zurück im Jetzt, ist der Plan aber doch bald fertig. Fünf Tage Fahrzeit für 560 Kilometer, die vor uns liegen. Ein Tag Reserve, an dem wir im Idealfall Venedig anschauen werden, um dann später am Abend um 21 Uhr in den Nachtzug nach München zu steigen.

Am Donnerstagnachmittag soll es mit dem Auto losgehen. Christian wird schon am Vormittag aus Aachen anreisen. Sein Mountainbike werden wir um einen Gepäckträger erweitern, den wir kurzerhand seinem älteren Bruder klauen werden – und um Flaschenhalter, natürlich. Für den Nachmittag erwarten wir seinen Freund Paul aus Münster per Bahn.

Dies ist der erste Teil des Reiseberichts. Wer nun neugierig geworden ist und den kompletten Bericht lesen möchte, kann diesen unten auf dieser Seite als PDF-Dokument abrufen.


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