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23.06.2021 erstellt von: Theo Sorg


Fahrradcodierung mit Hindernissen

Baustelle an der Kasseler Straße – nichts für schwache Nerven<p>Foto: Theo Sorg

Wir hatten den Auftrag zur Codierung zweier Fahrräder unter Corona-Bedingungen angenommen. Ein Junge kam mit einem straßentauglichen MTB. Ein betagter Herr brachte sein Pedelec mit – keines dieser High-End-Produkte wie wir sie jetzt öfter sehen, nichtsdestoweniger alltagstauglich und solide.


Unsere Ausrüstung bewahren wir in einen alten Lagerschuppen auf – für unsere Zwecke ausreichend, und wir nutzen den Platz für einzelne Codierungen. An diesem Tag passierte es: kein Strom und so schnell niemand erreichbar. Die Rettung war ein Ortswechsel.

In unserem Fall nicht ganz einfach. Wir mussten eine Großbaustelle ohne Absicherung des Radverkehrs, also ganz normal im Straßenverkehr passieren, und das alles bei einsetzendem Berufsverkehr. Was hilft’s? Die Aktion abblasen, die Kunden enttäuschen, das wollte ich nicht. Als Tourenleiter haben wir unterwegs auch so manche schwierige Situation zu meistern. Also Ausrüstung eingepackt und los, es sind ja nur eineinhalb Kilometer. Und natürlich fragt man die Kunden: Seid Ihr damit einverstanden?

So fuhren wir, vorneweg ich, dann der Junge, am Ende der ältere Herr, und mit Abstand. Der ältere Herr bestimmte das Tempo, so zwischen 12 und 15 km/h, in einer engen Baustelle im Berufsverkehr ohne Absicherung des Radverkehrs. Einen anderen Weg, der gut beschildert und somit auch ohne große Ortskenntnis befahrbar gewesen wäre, gab es nicht.

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Die Passage entlang der Baustelle der Bahn auf der Kasseler Straße – nichts für schwache Nerven
Foto: Theo Sorg

Wir kamen gut am neuen Standort an und mit Behelfsmaßnahmen codierte ich beide Räder. Die Kunden waren zufrieden. Im abschließenden Gespräch erzählte der ältere Herr von seiner Demenz, was in meiner Magengegend ein gewisses Grummeln auslöste bei dem Gedanken an die zurückliegende Fahrt die Baustelle entlang.

Da werden Verkehrswege eingerichtet, ohne an diejenigen zu denken, die im Straßenverkehr zu den am stärksten Gefährdeten zählen. Zugegeben: Auch uns, die wir noch fit sind, fallen manche Hürden im Straßenverkehr nicht auf. Doch die für den Straßenverkehr Verantwortlichen müssten es wissen. Wenn nicht, dann müssen wir es ihnen sagen, und ich glaube auch eindringlich und nachdrücklich.


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