Kopfbild Bad Vilbel Winter
20.03.2019 erstellt von: Theo Sorg


Brandgefahr durch Lithium-Ionen-Akkus

Anfang Dezember des letzten Jahres brach nachts in einen Bad Vilbeler Fahrradladen ein Feuer aus. Der Brand vernichtete den Laden fast vollständig. Zum Glück kamen keine Menschen zu Schaden. Als Auslöser ermittelten Experten den Lithium-Ionen-Akku eines Pedelecs, das ein Kunde zur Reparatur kleinerer Schäden in den Laden gebracht hatte.


In unserem Aktivenkreis fragten wir uns nach dem Unglück: „Was mache ich mit meinem Akku? Wie verhindere ich, dass auch mit meinem E-Bike etwas Derartiges passiert?“

Zunächst ist festzustellen: Obwohl in seltenen Fällen Schäden katastrophale Auswirkungen haben besteht zu Panik kein Anlass. Ein Produkt darf in Deutschland nur dann in den Verkehr gebracht werden, wenn es den Bestimmungen des Produktsicherheitsgesetzes entspricht; es darf die Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung nicht gefährden. Deshalb ist es auch wichtig, bei der Beschaffung etwa eines Ersatz-Akkus auf ein Produkt eines namhaften Herstellers zurückzugreifen. Finger weg von Akkus mit dubioser Herkunft!

Immerhin ist, gemessen an der Vielzahl der Geräte mit wiederaufladbaren Akkus, die Zahl der Schäden sehr gering, was auch aus vielen Veröffentlichungen zu dem Thema hervorgeht.

Was lässt sich vorbeugend tun?

Ein Lithium-Ionen-Akku (kurz auch Li-Ion-Akku) kann sehr viel Energie auf kleinem Raum speichern. Und weil er das kann, benötigt er eine gewisse Aufmerksamkeit. So reagiert er empfindlich auf Überladung und Tiefentladung. Das bedeutet: Wird der Akku für längere Zeit nicht benötigt, so sollte dennoch in Abständen der Ladezustand geprüft werden. Die Ladung sollte stets 20 bis 90 Prozent der Kapazität des Akkus betragen.

Zweiter Punkt: Der Akku muss vor zu niedrigen und zu hohen Temperaturen geschützt werden, das heißt, er darf unter keinen Umständen dauerhaft Temperaturen von weniger als 0° Celsius oder mehr als 70° Celsius ausgesetzt werden. (Hohe Temperaturen können schon dann entstehen, wenn ein Akku direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt wird.) Und natürlich darf er mechanisch nicht beschädigt oder kurzgeschlossen werden. All dies und weitere wichtige Informationen finden sich in der Bedienungsanleitung, ohne die ein Gerät in der EU nicht verkauft werden darf und die unbedingt zu beachten ist.

Bild
Lithium-Ionen-Akku „Powerpack 400“ für
Bosch-Pedelecs; 36 V, 11 Ah, 400 Wh

Foto: gemeinfrei

Zur Aufbewahrung: Fahrräder fristen oftmals im Winter in einem Schuppen ein klägliches Dasein. Doch aufgepasst: Ein Lithium Ionen-Akku kann eine Zündquelle darstellen. Um mögliche zusätzliche Schäden zu vermeiden, sollte er deshalb keinesfalls in der Nähe brennbarer Materialen gelagert bzw. aufgeladen werden. Der TÜV Rheinland empfiehlt die Aufladung auf einer nicht brennbaren Unterlage.

Wer im Internet recherchiert, stößt zuweilen auf die Empfehlung, den Akku in einem normalen Blechschrank oder einer Blechkiste zu lagen. Wer dieser Empfehlung folgt, geht hohe Risiken ein! Bei einem Akku-Brand entstehen Temperaturen von rund 1000° Celsius. Bei einfachen Blechbehältnissen kann dieser Effekt zu hohen Oberflächentemperaturen führen. Hängt oder steht ein solcher Schrank an einer Holzvertäfelung, lehnen brennbare Materialien an oder liegen sie gar auf dem Behältnis auf, so ist die Katastrophe vorprogrammiert. Zu beachten ist darüber hinaus, dass bei einer Explosion des Akkus innerhalb eines geschlossenen Behälters dessen Türen auf- oder gar abgerissen werden können. Wehe der Person, die sich gerade in der Nähe aufhält!

Wer dennoch ein Blechbehältnis nutzen will, sollte beachten, dass dieses zumindest mit nicht leitenden Feuerschutzmatten (im Baumarkt erhältlich) ausgeschlagen und mit Entlastungsöffnungen – eventuell bestückt mit Flammensperren – versehen ist. Solche Lösungen mögen in der Praxis funktionieren. Garantieren kann dies niemand, weil sie nicht geprüft sind.

Wer das Risiko weiter reduzieren möchte, kann eine zertifizierte Box verwenden. Zwei Beispiele: BAT-SAFE-XL, der Sicherheitskoffer für Li-Ion-Akkus, oder die Rathos Box S30 der Firma Erbstößer.

Weiterhin sind zertifizierte Feuerschutzschränke (F30 oder F90) erhältlich. (F30 / F90 bedeutet, dass der Schrank einem Feuer 30 bzw. 90 Minuten lang widersteht.) Die Preise liegen so hoch wie jene für ein gutes Pedelec; solche Schränke kommen daher eher im professionellen Bereich zur Anwendung.

Und wenn es dann doch brennt?

Geeignet sind bei Entstehungsbränden Feuerlöschdecken und Pulverlöscher. Abgesehen davon immer zuerst die Nummer 112 anrufen.

Zusammenfassung – Brandgefahr durch Lithium-Ionen-Akkus

• Keine Panik! Elektrizität ist zwar die häufigste Brandursache in Deutschland, Hauptursache ist jedoch der unsachgemäße Umgang mit ihr. Man denke etwa an die vergessene Herdplatte, hintereinandergeschaltete Mehrfachsteckdosen, beschädigte Föne, unbeaufsichtigte Wäschetrockner oder schadhafte Geräte allgemein.
• Akkus sind immer entsprechend den Betriebsanleitungen der Hersteller zu behandeln!
• Abstand halten zu brennbaren Materialien!
• Alles Gesagte gilt für Akkus ganz allgemein, nicht nur für solche für Pedelecs.

Weitere Informationen

https://www.swr.de/wissen/brandgefahr-durch-akkus/-/id=253126/did=22670302/nid=253126/tb3lpm/index.html
http://www.vbg.de/SharedDocs/Medien-Center/DE/Faltblatt/Branchen/Buehnen_und_Studios/fi_lithium_ionen_akkus.pdf?__blob=publicationFile&v=4
https://shop.vds.de/de/download/0b024037120d7e2545b91956911b4d67/


249-mal angesehen




© ADFC 2019

ADFC-Mitglied werden
Meldeplattform Radverkehr
Hessischer Radroutenplaner
bike-kitchen - unsere Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt
Radfahren üben auf dem Verkehrsübungsplatz