Kopfbild Bad Vilbel Winter
01.01.2020 erstellt von: Christian Martens


Erstklassiger Zuwachs bei den Bahntrassenradwegen

Streckeneindruck

Zunächst einmal wiederhole ich mich: Meine Faszination in Bezug auf Bahntrassenradwege kann denen, die die FRANKFURT aktuell seit vielen Jahren lesen, nicht verborgen geblieben sein – habe ich sie doch in diesem Magazin bereits mehrfach thematisiert.


Seit 2002 bereitet Achim Bartoschek auf seiner Internetseite www.bahntrassenradeln.de sehr akribisch alle Informationen zu diesem Thema auf. Bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass die Fertigstellung hochwertiger längerer Radwege auf Bahntrassen seltener wird. Nach der Eröffnung eines Zubringers zur Vennbahn in der Eifel im Mai 2015 gab es diesbezüglich eine vierjährige Pause. Im Jahr 2019 sind dafür gleich zwei neue Wege feierlich eingeweiht worden, beide zwar nicht in Hessen, aber doch direkt angrenzend: zum einen der Rhönexpress-Bahnradweg in der bayerischen Rhön mit rund 26 Kilometern Länge, zum anderen die Kanonenbahn im thüringischen Eichsfeld mit rund 21 Kilometern.

Die Sinntalbahn in der Rhön wurde 1891 eröffnet. Die Anbindung Bischofsheims von Wildflecken aus ist nicht erfolgt, und so blieb es bei einer Stichstrecke, die sogar durch Kriegsschäden ab 1945 sechs Jahre lang vom restlichen Netz getrennt war. Im Jahr 1988 fuhr der letzte Personenzug, 14 Jahre später der letzte Güterzug. Später wurde im Lauf mehrerer Jahre darüber diskutiert, ob die Strecke reaktiviert oder zum Radweg umgebaut werden solle. Im Jahr 2014 wurde gegen den Erhalt als Bahnstrecke entschieden. Erst 2017 wurden die Gleise entfernt und im Anschluss mit dem Bau des Radwegs begonnen.

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Bahntrassenradweg meets Neubaustrecke im Sinntal. Alle Fotos: Christian Martens

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Der Kanonenbahnradweg – Streckenimpression

Die Kanonenbahn, wie der Volksmund sie bezeichnet, hat eine andere Geschichte. Nach dem Krieg 1870/1871 war sie aus militärischen Gründen als Teilstück der Strecke Berlin – Metz gebaut worden. Anfangs eingleisig, wurde sie später um ein zweites Gleis erweitert, das allerdings aufgrund des Versailler Vertrags im Jahr 1920 wieder abgebaut wurde. Seit der Sprengung eines Viadukts im hessischen Frieda bei Eschwege im April 1945 war die Strecke nicht mehr durchgängig befahrbar. Dann teilte der eiserne Vorhang die Bahnlinie. Der Streckenteil in Thüringen wurde zu DDR-Zeiten noch betrieben, aber bald nach der Wiedervereinigung wegen technischer Mängel stillgelegt. Ab 2006 wurde er als Draisinenstrecke wieder touristisch genutzt. Da die Strecke ursprünglich zweigleisig ausgebaut war, konnte nun parallel dazu der Radweg ergänzt werden.

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Viadukt in Lengenfeld unterm Stein: Leider den Fahrten mit der Draisine vorbehalten.

Während die Strecke in der Rhön im Sinntalgrund verläuft und damit wenig spektakulär ist, verbindet die Kanonenbahn das Werra- und das Unstruttal miteinander und zeichnet sich durch mehrere Tunnel und Viadukte aus. Dadurch ist der eisenbahnerische Hintergrund des Radwegs nochmals deutlich präsenter. Der Küllbergtunnel mit einer Länge von 1530 Metern hat sich zudem vom Milseburgtunnel in der Rhön den Superlativ „längster Radtunnel in Deutschland“ geschnappt – zumindest in dem Punkt ist es nichts mehr mit „Hessen vorn“.

Beide Radwege kann ich nur wärmstens empfehlen. Es ist einfach Genuss pur, auf frischem Asphalt ohne größere Steigungen dahinzugleiten, auch wenn in beiden Fällen einige Höhenmeter zu bewältigen sind.

Als Ausblick bleibt anzumerken, dass es voraussichtlich leider erneut ein paar Jahre dauern wird, bis ein weiteres Highlight dieser Kategorie eröffnet wird. Daher: Erst mal auf in die hessischen Grenzregionen!


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