Kopfbild Umzug2013
02.08.2020 erstellt von: Theo Sorg


Zusammenlegbarer Transportwageninformationsstandfahrradanhänger

Das Gespann <p>Foto: Theo Sorg

Oder: Unsere neue eierlegende Wollmlichsau!

Wir haben mit unserer Ausrüstung ein neues Lager bezogen, und deshalb mussten wir uns für unsere Transporte etwas einfallen lassen. Ein Auto benutzen wir nur in Ausnahmefällen. Ein Lastenrad erschien uns weniger geeignet und für unsere Zwecke auch zu aufwendig. Weite Wege haben wir nicht. Ein Handwagen könnte ausreichen, so die Überlegung.


Gute Handwagen in der für uns passenden Größe sind teuer und die Qualität der preisgünstigeren für unseren Bedarf sehr fragwürdig. Also, was blieb? Selbst machen. Und wenn schon selbst bauen, dann sollte der auch gleich noch andere, zusätzliche Funktionen erfüllen. So könnte er als mobiler Infostand dienen, und er sollte sich auch an ein Fahrrad ankuppeln lassen. Ach ja, zusammenlegbar musste er ebenfalls sein, denn wir haben nur wenig Platz zum Lagern. Und damit er schnell auf- und abzubauen wäre, sollte das Ganze auch noch werkzeuglos funktionieren. Da hatten wir doch mal eine Aufgabenstellung.

Jetzt ging es um die Abmessungen. Ein Stehtisch mit rund 1,10 Metern Höhe eignet sich gut für die Kommunikation auf Augenhöhe, das sollte also eine gute Länge für den Kasten sein. Wir haben Gegenstände mit maximal einem Meter Länge zu transportieren, das sollte funktionieren. Und die Breite, da war doch etwas mit dem goldenen Schnitt. Wenn sich schon große Künstler wie Dürer, Michelangelo und da Vinci dessen bedient haben, dann konnte es für uns nur gut sein. So sollte der Kasten 70 cm breit und 40 cm hoch werden; akribisch muss man sich nicht an die Vorgabe halten, es gibt künstlerische Freiheiten. Mit einer je Seite um 12 cm herausragenden Radachse bleibt die Breite dann auch unter einem Meter; das passt. Die Radachsen sollten um 6 Prozent aus der Mittelachse nach hinten verschoben angebracht werden, damit im Anhängerbetrieb die Stützlast stimmt.

Natürlich ist es angeraten, die Empfehlungen und Regelwerke für solche Projekte zu studieren, doch da gibt es außer der §§ 32 und 67a der StVZO sowie dem RWTÜV-Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern von 1999 nichts. Nach der StVZO könnte ein Fahrradanhänger 2,55 Meter breit, 4 Meter hoch und 12 Meter lang sein. Die maximale Breite von einem Meter gilt nur für einspurige Krafträder, da zählt halt der gesunde Menschenverstand, und das ist auch gut so.

Und jetzt schnell denn Kasten skizziert – das muss zum Bau genügen –, eine Materialliste erstellt und den Preis ermittelt, 200 Euro würden da schon zusammenkommen.

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Zusammengefaltet
Foto; Theo Sorg

Jetzt war der Vorstand gefragt. Er musste das Budget freigeben und auch das Vertrauen haben, dass am Ende etwas Brauchbares herauskommt. Ersteres tat er, und Letzteres hatte er, und so fing ich an, Material zu beschaffen. Ich bin ein großer Freund von Wiederverwertung, und so schaute ich erst einmal nach Gebrauchtmaterialien. Einiges konnte ich bei Vereinsmitgliedern und Freunden einsammeln. Ein herzliches Dankeschön dafür! Manches erstand ich über Kleinanzeigen, und anderes gab auch mein Bastelkeller her. Den Rest erstand ich in örtlichen Baumärkten, spezielle Teile auch im Onlinehandel. Dabei musste ich auch erkennen, dass neues Material preisgünstiger sein kann als gebrauchtes. Seltsam, oder?

Dann ging es ans Bauen. Die Rohre für den Grundrahmen waren auf Länge zu schneiden und zusammenzuschweißen, die Sperrholzteile zurechtzusägen, wobei auf die Finger aufzupassen war. Die Holzteile waren zu schleifen und dann alles zu lackieren, was tagelang unsere Waschküche blockierte. Der Zusammenbau ging recht flott, trotz einiger weniger Klippen, die zu umschiffen es galt. Manche Ideen waren zu überdenken und auch etwas anders zu lösen, Zeichnungen gab es halt nur in meinem Kopf.

Für unseren faltbaren Transportwageninformationsstandfahrradanhänger verarbeitete ich eine Tafel Sperrholz – natürlich wasserfest verleimtes –, drei Stangen Vierkantrohr, zwei Klavierbänder, zwei Laufräder, vier Scharniere, zwei weiße und zwei rote Rückstrahler, je einen halben Liter der Farben Reinorange und Saphirblau, etwas Holzwachs, viele Schrauben, Nieten, Splinte und natürlich wasserfesten Holzleim. Zum Verbrauch kamen noch ungefähr 45 Tassen Tee für Recherchen und Bestellungen im Internet, sieben Flaschen Feierabendbier und eine Flasche Wasser gegen den Durst. Zu guter Letzt verweigerte mein Schwingschleifer mit lautem Gekreische seinen Dienst, als er mit dem letzten der gut 30 Blatt Schleifpapier beschäftigt war. Der Rest musste halt von Hand passieren. Ein T-Shirt ist jetzt mit Farbklecksen verziert. Ob man das als Designer-T-Shirt verkauft, im Internet versteigert oder einfach entsorgt … Mal sehen.

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Der Wagen als mobiler Infostand
Foto: Theo Sorg

Bei der Probefahrt als Fahrradanhänger verhielt sich das neue Stück erstaunlich gutmütig, bergauf muss man aber schon den ein oder anderen Gang herunterschalten.

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Das Gespann
Foto: Theo Sorg

Jetzt hat das Gefährt seinen Test auf Alltagstauglichkeit zu bestehen. Wir drücken alle die Daumen!


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