Kopfbild Bad Vilbel Winter
01.10.2021 erstellt von: Dr. Ute Gräber-Seißinger


30 Jahre ADFC Bad Vilbel – Gründungsmitglieder erinnern sich

Wohlrad Lang, Nicole Köhler, Dr. Ute Gräber-Seißinger und Wulfhard Bäumlein (von links).<p>Foto: Dr. Horst Köhler

Zu einem Zeitpunkt X gibt es stets ein Vorher. In unserem Fall, dem des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Bad Vilbel e. V., ist der Zeitpunkt X der 26. Juni 1991 und das Vorher reicht in die zweite Hälfte der 1980er Jahre zurück. Außerdem gibt es die unvermeidliche Schlüsselfigur. In unserem Fall ist es der im Jahr 2001 im Alter von 77 Jahren verstorbene Dr. Harald Braunewell, damals Lehrer für die Fächer Mathematik und Physik am Bad Vilbeler Georg-Büchner-Gymnasium.


Braunewell gab einer Handvoll Schülerinnen und Schülern die entscheidenden Anregungen, einen informellen, verkehrspolitisch interessierten Kreis zu bilden. Dessen Mitglieder trafen sich fortan regelmäßig einmal im Monat in der Teestube Jahnstraße im Bad Vilbeler Stadtteil Heilsberg.

Eines der Themen dort, man könnte sogar sagen das Thema, weil es uns im ADFC Bad Vilbel bis heute begleitet: der Umbau der innerstädtischen Frankfurter Straße. War diese damals noch in beiden Richtungen befahrbar und überdies mit Bordsteingehwegen ausgestattet, so wurde die Verkehrsführung nach dem Umbau geändert. Die Frankfurter Straße wurde innerstädtisch zur Einbahnstraße. Zwischen dem Erzweg und der Ritterstraße war sie fortan nur noch in einer Richtung befahrbar. Der Kreis um Braunewell war damit nicht einverstanden. Gerade für den Radverkehr, der auf kurze Wege sehr sensibel reagiert – und umgekehrt auch schnell abgeschreckt wird, wenn er aus direkten, kurzen Verbindungen verdrängt wird –, bedeutete die Neuregelung eine erhebliche Verschlechterung. Bis heute bildet sie den Gegenstand wiederholter Kritik.

Harald Braunewell war als außerordentlich rühriges Mitglied des ADFC auch und vor allem im ADFC Frankfurt aktiv und an der Gründung des Landesverbands beteiligt. Sein Einsatz für den Radverkehr reichte so weit, dass die Stadt Frankfurt ihm 2017 eine Stele widmete. Sie steht am Niddaufer-Radweg in Frankfurt-Nied und weist ihn als Wegbereiter des Frankfurter GrünGürtels aus. Durch Harald wurde der GBG-Kreis auf den ADFC aufmerksam, und so kam es schließlich zur Gründung der Ortsgruppe in einem griechischen Restaurant in der Innenstadt Bad Vilbels. Mit dabei waren neben anderen auch Nicole Köhler, Wulfhard Bäumlein und Wohlrad Lang.

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Wohlrad Lang, Nicole Köhler, Dr. Ute Gräber-Seißinger und Wulfhard Bäumlein (von links). Ute übernahm im Jahr 2001 das Amt der Ersten Vorsitzenden des Vorstands.
Foto: Dr. Horst Köhler

„Harald war ein Freak“, wie Nicole sich erinnert. Nicht nur nebenbei soll erwähnt sein, dass Nicole nach wie vor im ADFC aktiv ist – in der Fahrradwerkstatt des Repaircafés in Eppstein sowie im Fahrradcodierteam des ADFC Main-Taunus. „Harald war anders als die meisten anderen im Kollegium des GBG“, sagt sie, „und er hat lange vor der Pensionsaltersgrenze seine Stelle als Lehrer quittiert, um sich ganz seinen Leidenschaften zu widmen: dem Radfahren, dem Schreiben von Radwanderbüchern und nicht zuletzt der maßgeblichen Mitarbeit bei der Erstellung der GrünGürtel-Freizeitkarte.“

Es gibt Anekdoten über Harald Braunewell. Eine davon gibt Wohlrad zum Besten. Als passionierter Outdoor-Mensch wollte Harald diverse Schlafsäcke auf ihre Frostbeständigkeit testen. Er kannte einen Mitarbeiter des (heute an diesem Standort nicht mehr existierenden) Schlachthofs in Frankfurt-Sachenhausen und bekniete diesen so lange, bis er ihm Einlass in das Kühlhaus des Schlachthofs gewährte; am nächsten Morgen aber müsse er den Schlüssel postwendend zurückgeben. So verbrachte Braunewell eine Nacht im Kühlhaus des Schlachthofs. Nicht bekannt ist die Zahl der Modelle, die er testete. Wohl aber kann man davon ausgehen, dass er keinen bleibenden Schaden davontrug – womit der Test als solcher als erfolgreich bezeichnet werden kann.

Die Motive für einen Eintritt in den ADFC sind durchaus unterschiedlich. Die derzeitige Erste Vorsitzende Dr. Ute Gräber-Seißinger berichtet, wie sie im Jahr 1994 auf den ADFC aufmerksam wurde. Seinerzeit warb der damalige Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Vilbel-Massenheim Harald Wysk für den Verein. Er war dort selbst aktiv, und zwar in mehrfacher Hinsicht: als Vorsitzender, mit einer Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt im Keller des Gemeindezentrums und als Leiter geführter Fahrradtouren – so auch einer mehrtägigen Familienradtour mit Ziel Ober-Seemen im Vogelsberg. Letztere war gerade passend, denn Ute war kurz zuvor nach einem zweijährigen Aufenthalt in Südwestfrankreich mit ihrer Familie in die Heimat zurückgekehrt. Es bot sich direkt an, gemeinsam mit Mann und der knapp siebenjährigen Tochter an dem Ausflug teilzunehmen. Von da an wurde der ADFC Bad Vilbel zum ständigen Thema und Tätigkeitsbereich – bestehend zunächst in der Koordination des Radtourenprogramms, später dann, ab dem Jahr 2001 nach ihrer Wahl zur Ersten Vorsitzenden, in der Führung des Vereins zusammen mit ihren Vorstandskolleg:innen und etlichen weiteren Aktiven.

„Der ADFC Bad Vilbel hat sich beständig weiterentwickelt. Er war keine Eintagsfliege. Das kontinuierliche Engagement der Aktiven, die ausnahmslos ehrenamtlich tätig sind, hat dazu geführt, dass die Zahl der Mitglieder des ADFC Bad Vilbel im Verbund mit den ADFC-Mitgliedern in Karben heute im Begriff ist, die Marke von 400 zu überschreiten.“ Das konstatiert Gründungsmitglied Wulfhard Bäumlein – und er kann mit Fug und Recht stolz sein auf „seinen“ ADFC Bad Vilbel, dessen Fortbestand als eingetragener Verein unabhängig von bestimmten Personen gesichert ist.


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